Kurzbeschreibung
Über den Autor
Thilo Baum studierte Theaterwissenschaft und Publizistik und arbeitete bei der Boulevardzeitung "Berlinder Kurier" als Lokal- und Schlussredakteur. Er unterrichtet an der Journalistenschule "Klara" (ehem. Henri-Nannen-Schule Berlin), wo er Volontäre ausbildet und Seminare wie "Schnell schreiben" gibt. Darüber hinaus gibt Thilo Baum das Nichtraucher-Seminar "Nichtraucher in fünf Stunden".
Auszug aus "Günter, der innere Schweinehund, lernt flirten" von Thilo Baum/Stefan Frädrich. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mit der Zeit wurde aus dem Ferkelwelpen ein Jungschweinehund. Und Günter erkannte, dass man mit anderen Schweinehunden nicht nur spielen kann. So hörte er, dass die Bienen von Blüte zu Blüte fliegen und es auch andere Dinge gibt, vor allem zwischen Eberrüden und Sauhündinnen Carsten kam plötzlich nicht mehr mit zum Spielen, sondern war lieber mit Carmen allein noch mal die Rollen für die Theater-AG lesen Und Michaela sagte das Teekränzchen ab, weil sie sich von Manuel so lange bei den Mathe-Hausaufgaben helfen ließ. Viel länger, als eigentlich nötig
Zuerst war Günter ziemlich verwundert. »Was machen die da?« Bis er eines Tages selber den Zauber spürte, der einen vergessen lässt, dass die Erde sich dreht und Mond und Sonne scheinen: Günter war zum ersten Mal verknallt! Irgendetwas Magisches schien nun vom anderen Geschlecht auszugehen. Und das hatte Folgen: Von nun an waren Sauhündinnen nicht mehr nur »doofe Hühner« und Eberrüden »laute Angeber«. Und manch kumpelhafte Freundschaft zwischen Eberrüde und Sauhündin wich der Faszination einer neuen spannenden Fremdheit. Was war nur dieses Andere, das sie ineinander sahen? Und warum wurde es immer schwerer, zu fragen: »Darf ich mit dir spielen?« Bald schon traute sich Günter das nicht mehr.
6. Willst du mit mir gehen?
Die Frage aller Fragen hieß plötzlich nicht mehr: »Willst du mit mir spielen?«, sondern: »Willst du mit mir gehen?« Und gemeint war damit: »Willst du mit mir das spielen, womit verknallte Sauhündinnen und Eberrüden den allermeisten Spaß haben? « Und weil das für die Schweinehundebande neu war, haben alle viel getuschelt: »Hans und Iris haben was miteinander!« Obwohl alle selber gerne was miteinander gehabt hätten Typisch Schweinehunde: lieber kompliziert als geradeaus!
Doch: Je älter Schweinehunde werden, desto versteckter wird die Botschaft »Willst du mit mir gehen?« Hinter was für Sätzen diese einfache Frage doch lauern kann: »Wollen wir was essen?«, »Wollen wir noch woanders hingehen?«, »Haben Sie heute noch was vor?« Leider wird es auch für Günter immer komplizierter obwohl er sich wie alle danach sehnt, nicht einsam zu sein, sondern mitzuspielen. Doch wie soll die süße Bedienung nur ahnen, dass der Satz »Noch einen Kaffee bitte« mehr bedeuten soll als »Noch einen Kaffee bitte«?
7. Flirten ein Spiel für den erwachsenen Günter
Günter wundert sich: »Wenn keiner einsam sein will, warum geht man dann nicht einfach aufeinander zu und erklärt, was man will?« Ganz einfach: Weil Schweinehunde sich zwar nach Nähe sehnen, aber auch nicht wollen, dass man ihnen zu sehr auf die Pelle rückt! Der Satz »Ich will mit dir gehen« ist zwar ehrlich und lieb, aber vielen Schweinehunden zu direkt. »Ist das nicht ein Widerspruch?«, wundert sich Günter. Aber nein. Stell dir vor, du bekommst ein Geschenk: Reißt du dann wie ein Irrer die Verpackung weg? Natürlich nicht, denn schon das Auspacken ist ein Genuss. Und an jemandem interessiert oder gar verliebt zu sein ist das schönste Geschenk der Welt. Dieses wunderbare Geschenk auszupacken heißt flirten. Das darfst du schön langsam und genüsslich tun natürlich ohne vor Schüchternheit zu erstarren. Dabei die Balance zu finden, das ist das Spiel!
Flirten ist auch wie die Geheimsprache in einem Detektivspiel. »Willst du mit mir gehen?« ist der Klartext. Da ist kein Geheimnis mehr zu lüften wie langweilig! Und dein Gegenüber fühlt sich gleich klargemacht und eingetütet. Spannender ist es, wenn du den Satz kodierst: »Wer sich in dich verliebt, um den ist es geschehen! « Die Botschaft neben der Botschaft sorgt für Kribbeln. Und, ganz wichtig: Nicht wer den besten Klartext hat, gewinnt, sondern wer am besten kribbeln kann.