Also ich weiß ja nicht, was sich Frau Höhler bei diesem Buch gedacht hat, aber ich glaube es sollte einfach ein fast-esoterisches Gefasel sein, vielleicht sogar so etwas wie eine Bibel, ein spirituelles Geleitbuch für eine Kaste.
Alles in Allem fängt das Buch sehr schmackhaft an. Es wird erzählt, dass jede politische oder wirtschaftliche Entscheidung, die das Volk mittragen soll, von einer "Story" dazu bewogen wird. Dieser Teil des Buches ist wirklich eindrucksvoll, hier steigt man in den - anfangs noch interessanten - Schreibstil ein. Danach kommt das Vorzeigen der Eliten, die uns den Financrash eingebrockt haben, nämlich nicht jetzt geschwafelt, sondern wahrhaft jene, die, im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Hände im Spiel hatten, die Trader. Das heißt jene, die täglich Unsummen von Beträgen in Spekulationspapiere stecken. Bis dahin alles noch einwandfrei, wohlgemerkt bis dahin.
Anschließend kommt eines, und das immer und immer wieder, nämlich immer wieder dasselbe. Mantraartig wird einem vorpalavert wie die Politik mit der Finanzwelt verbunden sei, wie sehr die Gier der Menschen all das erst zustande gebracht habe, wie komplex die Papiere nicht gestaltet wurden, welche auf keinster Weise näher erklärt werden, etc. Geld wird zur Droge, niemand kann sich dem entziehen. Die Politik würde die Finanzwelt nur attackieren, weil sie sich selbst reinwaschen wolle. Gegen diese Argumente ist ja nichts einzubringen, würden sie einem nicht andauernd vor der Nase herumspatzieren. Man bekommt den Eindruck, dass uns die Autorin nicht über Gegebenheiten aufklärt, sondern konspirative Theorien aufschwappt, die sich um so schneller in die Gehirne andocken, umso öfter man sie wiederholt. Irgendwie hat das Buch so einen schwammigen Eindruck auf den Leser, dass er sich andauernd in einem versuchten, literarischen Meisterwerk wähnt, was es aber nie sein kann, alleine weil es zu viel gewollt ist.
Ein weiteres Thema sind wie schon angesprochen die Trader. Auch hier bedarf man keines Feng-Shui-Meisters um die stupide, angeblich von Experten so mitgeteilte Welt ebenjener zu verstehen. Im Laufe des Buches kommt einem das Geschwafel so vor, als würde sie einem das Leben als Trader aufzwingen. Sie ist noch dazu so intelligent, dass sie all ihre Anfangsthesen später durch Zitate berühmter Player abdeckt. Es wimmelt ausserdem nur so vor Anglizismen, die zwar kursiv geschrieben sind, nirgends aber irgendwo erklärt werden.
Am Schluß scheint die Lösung gefunden, die Ethik. Das was bis jetzt nicht geklappt hat, klappt dann, weil es Höhler so palavert, vielleicht sollte man den Herren von Goldman Sachs, JP Morgan, den Ratingagenturen und den Banken einfach ein Exemplar schicken. Meiner Meinung nach sollte sich der Preis des Buches an den Preisen für griechische Staatsanleihen anknüpfen, nämlich gen null.
Fazit ist, dass wenn man als Laie rangeht, das bedeutet, dass man nicht weiß, was CDO's, Hedge-Fonds, Derivate und dergleichen sind, sollte man schleunigst die Finger davon lassen. Es soll mir auch eine Lehre sein, die Finger von so einem Esoterik-Kram zu lassen.
Am meisten schmerzt es mich, dass sie den Titel "Götzendämmerung" gewählt hat. Sich den Titel eines philosophischen Großmeisters, Friedrich Nietzsche, so dreist abzukupfern, am Ende gar nicht zu wissen, in welchem Zusammenhang der Titel mit dem Inhalt steht, ist eine Frage, die nur sie uns beantworten kann. Ein zutiefst lückenhaftes, unsättigendes Buch, welches mehr Fragen aufwirft, als es stellt oder beantwortet. Lieber ein Globalisierungbuch kaufen, oder sich einen fähigen Ökonomen aussuchen, wohlmöglich einem Nobelpreisträger, und sich mit Fachwissen und pointierten Argumenten in die Materie einfühlen, oder weiterführen lassen. Ethisches Geschwafel in Form von irgendwelchen Sagern über die achso berauschten Trader, die sie nie beim Namen nennt, sondern immer sagt, das sind Eliten, die man nicht sieht. Dann frage ich mich, warum sie soviel über sie weiß.
Nonsene in Mantramanier, wie Sie es noch nie gelesen haben.