Die göttliche Komödie von Dante Alighieri, ins Deutsche übertragen und ausschweifend kommentiert von Ida und Walther von Warthburg, versehen mit 48 Illustrationen von Gustave Doré
Zitat: (Inschrift auf dem Höllentor)
Durch mich geht man zur Stadt der Schmerzen ein;
durch mich geht man hinein zur ewgen Qual;
durch mich geht man zu den Verlorenen.
Gerechtigkeit bewegte meinen Schöpfer;
erschaffen hat mich Gottes ewge Allmacht,
die höchste Weisheit und die erste Liebe.
Denn vor mir ward kein einzig Ding erschaffen
als Ewiges, und ewig werd' ich dauern;
ihr, die ihr herkommt, lasset alle Hoffnung.
Zum Osterfest des Jahres 1300 irrt Dante durch die Welt, bedrängt von Sinneslust, Hochmut und Habsucht, sein Leben steht nicht im rechten Licht. Doch ihm wird durch die Fürsprache seiner seit frühster Jugend angebeteten, mittlerweile verstorbenen und in den Himmel versetzten Beatrice die Gnade zuteil, die ihn auf den rechten Weg führen soll.
Zu diesem Zweck erscheint Dante der römische Dichter Vergil, der vom Himmel gesandt Dante auf seinem Weg durch Inferno (Hölle) und Purgatorio (Läuterungsberg = Fegefeuer) bis hin zum Paradiso begleiten und leiten soll.
Auf 1200 Seiten, in 100 Gesängen mit 14,400 Versen erstreckt sich dieses zentrale Epos der Christenheit, das jeder Beschreibung trotzt und spottet - Übergang von Mittelalter zur Renaissance, in sich geschlossener Katechismus der (römisch-katholischen) Christenheit, Quell der italienischen Sprache (Dantes Entscheidung, in seinem florentischen Dialekt zu schreiben machte diese Sprache erst zur beherrschenden Schriftsprache eines an Dialekten reichen Landes), eindrucksvoller Einblick in das mittelalterliche Denken, umfassende Schau aller großen Gestalten der klassisch-antiken wie christlichen Mythen und Historie sowie (damals) brandaktuelles politisches Werk, persönliches Glaubensbekenntnis, ein sprachlich wie gedanklich beeindruckendes Meisterwerk - all das und noch viel mehr ist dieses Buch, das sich Vergleichen mit der Aeneis oder der Ilias nicht zu scheuen braucht.
Selbst wenn man mit dem Christentum nichts (mehr) am Hut hat, ist es für einen historisch interessierten Menschen ein wahrer Augenöffner, die Glaubens- und Moralvorstellungen der damaligen Zeit kennenzulernen (cf. die Unterteilung der Hölle in zehn Kreise je nach Schwere und Art des Vergehens, die unterschiedlichen Terassen des Läuterungsberges, die himmlichen Sphären des Paradiso). Darüber hinaus gibt es wohl kein Werk der Menschheitsgeschichte, das in sich eine Art Weltgericht und Zusammenstellung der gesamten vor ihr liegenden Geschichte beinhaltet - von Adam über die Helden des trojanischen Krieges, die mythischen Götter Griechenlands, die römischen Kaiser, die Märtyrer des Christentums bis zu den damals herrschenden Fürsten des spätmittelalterlichen Italiens kommt jeder vor, wird jeder gerichtet, der im Denken dieser Zeit Rang und Namen hatte, oft an unerwarteter Stelle (der listenreiche Odysseus wurde in die Hölle gesteckt, Brutus der Verräter wird gar von Satanos höchstpersönlich gefressen, Cato dagegen darf (als Heide!) den Zugang zum Purgatorio bewachen). Und gleichzeitig haben wir es mit einem hochpolitischen Werk zu tun, das die damaligen Zustände des Papsttumes und der verfallenden Sitten geißelt und auf baldige Einigung und Ordnung hofft und pocht.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die Leistung der Übersetzer/Kommentatoren Ida und Walther von Warthburg, die sowohl das Lesen des Textes zum sprachlichen Genuss machten, als auch durch ihre extensiven, sprachlich ebenfalls wunderbaren Kommentare vieles, was sonst undurchschaubar geblieben wäre, erhellten und einen spannenden Einblick in die damalige Lebensweise, Politik aber auch in Mythen- und Glaubenswelt des Christentums bieten.
Ein wahrliches Meisterwerk der Weltliteratur, mit dem sich wohl nur wenige messen können...