Bewertung: 3,5 Sterne.
Helena ist eine alte Frau, die von der marokkanischen Pflegerin Rachida betreut wird. Die Ich-Erzählerin erzählt von ihrer Familie, ihrem Vater, ihrer Mutter, ihrem Bruder. Es sind die Jahre, 1915, 1916, 1917 an die sie sich erinnert. Sie erzählt von ihrem britischen Mann, den sie kennenlernt und sich hier im Buch auch nur englisch zu Wort meldet. Innerlich nimmt sie uns Leser mit in jene Kindheit und Jugendzeit, im belgischen Flandern, die zwar längst vergangen erscheint, und so präsent ist, als ob es erst kürzlich zurück liegen würde. Eine Geschichte, die Menschen interessieren könnte, die wissen wollen, wie Menschen den ersten Weltkrieg und die Jahre danach erlebt haben. Man bekommt einen Einblick, was die Menschen damals beschäfigt hat und von was diese Zeit durchdrungen war.
Es ist eine Erzählung einer Frau, bei der man sich wundert, wie ein männlicher Autor so schreiben kann, als ob man das Gefühl hat, dass es eine Frau erzählt. Hautnah erleben wir als Leser, wie es damals im Krieg war, die Ich-Erzählerin Helena erzählt es so hautnah, als ob der Autor Erwin Mortier den Krieg selbst erlebt hätte. Der Autor wurde für dieses Buch mit dem wichtigsten holländischen Buchpreis AKO ausgezeichnet und scheint auch noch andere bekommen zu haben. Für mich eine zu weitläufig angelegte Geschichte, die es nicht wirklich schafft über das ganze Buch einen Spannungsbogen, oder eine Atmosphäre aufzubauen, die uns nicht mehr los lässt..Es erzählt von einer untergegangenen Welt, die in der Erinnerung ihre Beständigkeit hat und sich noch einmal ausbreiten und darstellen will, bevor sie mit dem Tod der Ich-Erzählerin, dann ev. völlig in die Versenkung und damit dem Vergessen anheim fällt..
Fazit: Für mich zwar auf der einen Seite eine z.T. gut geschriebene Geschichte, die mich anfangs noch begeisterte, dann immer mehr nachliess, übers Ganze gesehen dann doch nur teilweise überzeugte und mich nicht wirklich gepackt hat. Das Besondere an diesem Roman ist sicherlich, wie hautnah uns hier eine alte Frau mit wachem Geist von der damaligen Zeit im 1. Weltkrieg erzählt wie es gewesen ist, man kann es sich sozusagen förmlich detailiert vorstellen. Ein Rückblick, eine Bilanz, Bilder des Lebens, auf ein vergangenes Leben, auf das Gute und weniger Gute, auf das Erlebte, das Widerfahrende, dem eigenen Handeln und dem wie wir auf manche Menschen zurückblicken, die uns einst nahestanden, zu vorderst die Eltern. Es ist auch eine Annäherung an den Tod, an innere Gespräche mit Toten, und dem was diese Tote in uns an Spuren, Erinnerungen, Gefühlen, Berührungen hinterliessen...