Ihr Buch "Die Wahrheit über meine Ehe" wurde 2008 zu einem Bestseller und ermutigte viele bisher schweigende Frauen, sich ebenfalls Gedanken über ihre Zufriedenheit in ihrer Ehe zu machen, und - wie man hört - viele haben auch gehandelt. Männern hingegen wird nachgesagt, über vieles gut sprechen zu können, etwa über Fußball, aber nicht über ihre Gefühle und schon gar nicht über ihre Gefühlen ihren Frauen gegenüber. Beim Thema Partnerschaft werden Männer einsilbig. Wie sie sich in ihrer Beziehung fühlen, ist meist tabu - und oft genug selbst für langjährige Ehefrauen ein Rätsel. Martina Rellin hat einige Exemplare des angeblich starken Geschlechts zum Sprechen gebracht: In ihrem neuen Buch "Göttergatten. Was Männer wirklich über ihre Frauen denken" präsentiert sie die Ergebnisse. Und die sind manchmal typisch Mann, manchmal aber auch verblüffend und immer eine interessante Lektüre.
Insgesamt 17 Männer zwischen 29 und 71 Jahren lässt Martina Rellin ausführlich zu Wort kommen. Sie sind kurz vor der Goldenen Hochzeit wie Werner, haben schon zwei Ehen hinter sich wie Rolf, würden sich am liebsten von ihrer Frau trennen wie Kai oder lieben ihre Frau wie am ersten Tag wie Ansgar. Sie sind sexuell frustriert, von ihrer Beziehung genervt, nach vielen Jahren noch immer glücklich oder staunen darüber, wieso ausgerechnet sie eine so tolle Frau abbekommen haben. Es sind Kotzbrocken dabei und Muster-Ehemänner.
Ihre Erfahrungen sind so unterschiedlich, dass ein gemeinsamer Nenner schwer zu finden ist. Außer vielleicht, dass das Klischee nicht stimmt, nach dem Männer nicht über Gefühle reden können oder womöglich gar keine haben. Im Gegenteil: Nach Rellins Erfahrung waren sie beim Erzählen kaum zu bremsen, schildern selbstkritisch, selbstironisch, nachdenklich oder humorvoll, wie sie die Frau an ihrer Seite erleben. Sie reden über ihre Sehnsüchte, über Tränen, Wut und Eifersucht, über große Ängste und große Liebe.
Männer können also durchaus über ihre Gefühle reden, das ist das Wichtige an diesem Buch. Martina Rellin sagt über ihre Erfahrung beim Schreiben dieses Buches: "Selten haben mich Arbeitsstunden persönlich so bewegt wie diese." Das Buch richtet sich natürlich an Frauen, und es werden auch Frauen in großer Zahl sein, die das Buch lesen und vielleicht ihren eigenen Göttergatten danach etwas besser verstehen.
Wichtig fände ich allerdings, dass viele Männer dieses Buch lesen, sich davon ermutigen lassen, und dann vielleicht anfangen, mit einem guten Freund ( soll es ja auch bei einigen Männern geben) über ihre Gefühle ihren Frauen gegenüber zu reden. Hier im Buch war das Gegenüber eine Frau, und die Männer bleiben anonymisiert. Dort aber wäre eines der größten Tabus zu brechen, die die Männerwelt kennt. Aber wer nicht beginnt, kommt keinen Schritt weiter. Und es muss etwas geschehen, mit diesem Schmerz, diesem Schweigen der Männer. Ich möchte nicht, dass mein heute sechsjähriger Sohn auch so sprachlos einmal ist, wenn es darum geht, seine Gefühle seiner Partnerin zu beschreiben und ohne Angst dazu zu stehen