Was passiert, wenn wieder einmal Endzeitstimmung auf der Erde herrscht und die alten Götter die Gelegenheit nutzen wollen, um mehr Kundschaft für ihre Pardiese zu werben? Denn auch im Jenseits muss man sich den modernen Bedürfnissen der Kunden anpassen, schließlich ist die Konkurrenz unter den Jenseitswelten groß und welcher Gott möchte schon auf ein leeres Paradies blicken? Und so gerät die Heldin Helena, die noch immer um ihren vor zwei Jahren verstorbenen Gatten Julian trauert, durch Zufall gemeinsam mit ihrem Kater Dante in eine Gruppe Endzeitgläubiger, die von den Göttern als geeignete Testpersonen für eine Erprobung ihres neuen Paradieskonzeptes ausersehen wurden.
An der Seite von Helena und zwei weiteren, sympathischen Skeptikern inmitten einer Gruppe von mehr oder weniger Endzeitgläubigen, wandert der Leser nun durch die göttliche Jenseitslandschaft, angefangen bei den Gefielden der Seligen, durch den Olymp, über Himmel und Hölle. Auch andere Jenseitsvorstellungen wie die ewigen Jagdgründe, Walhall und viele mehr werden besucht und mit den kritischen Augen unserer Touristen aus der Gegenwart begutachtet.
Natürlich haben die Götter sich einiges einfallen lassen, um die Kundschaft bei Laune zu halten und daran zu hindern, ihr Rückfahrtticket zu lösen. Denn wem es zu gut im Paradies gefällt, der muss sein irdisches Leben aufgeben ...
Eine Gefahr, der auch Helena begegnet, denn sie ist noch immer auf der Suche nach ihrem geliebten Julian und muss eine Entscheidung treffen. Will sie ihre Erinnerungen loslassen und auf die Erde zurückkehren, oder ihr irdisches Leben aufgeben, damit sie ihren Julian endlich finden kann?
Ein wundervolles Buch, das auf humorvolle Weise mit den verschiedenen Jenseitsvorstellungen spielt und die genauen Kenntnisse der Autorin in den verschiedensten Mythologien beweist. Nicht immer ganz politisch korrekt, sondern oft genug mit einem Augenzwinkern, aber dafür nur umso lesenswerter.
Es gelingt Andrea Schacht auf unnachahmliche Weise, eine spannende, witzige Geschichte zu erzählen, die niemals in Albernheiten abgleitet, sondern stets von einer tieferen Moral getragen wird und unserer Gesellschaft auf gekonnte Weise einen Spiegel vorhält. Vermutlich wird sich fast jeder in der einen oder anderen Figur zumindest in Teilen wiedererkennen.
Mein Favorit unter den Paradiesen war übrigens die Hölle. Warum - das sollte jeder Leser selbst ergründen ...