Tanja Kinkel waehlt in "Goetterdaemmerung" ein voellig anderes Genre als in ihrem Historiengemaelde "Der Puppenspieler". Ein Polit-/ Wissenschafts-/ Wirtschaftsthriller. Es gelingt ihr sehr gut, ihre Protagonisten einzufuehren und dem Leser so nahe zu bringen (auch mit ihren Unzulaenglichkeiten), dass man schon bald mitten im Geschehen ist und gar nicht mehr heraus will.
Bis zu dem Zeitpunkt, als der Schriftsteller und unsere Hauptperson Neil LaHaye dem ebenso brillianten wie mysterioesen Arzt und Wissenschaftler Dr. Victor Sanchez hinterherreist und ihn tatsaechlich auch findet, war das Buch auch klar auf 5-Sterne-Kurs. Die Romanze zwischen Neil und Beatrice war zwar etwas vorhersehbar, aber wenigstens schoen beschrieben - genau wie sein Elend und seine Gewissensbisse, weil er die Chance, den 25 Jahre lang verschollenen Wissenschaftler zu treffen genau dann bekam und letztlich auch wahrnahm, als er dabei war, ein innigeres Verhaeltnis zu seinen Kindern aufzubauen und fuer diese Chance ein Versprechen ihnen gegenueber bricht.
Genau hier jedoch beginnt Kinkel, gegen den Grundsatz der Schreiberei zu verstossen, den sie Neil an einer Stelle ihres Romans sagen laesst: "Wenn du eine Story schreiben willst, dann tue das. Schreibe eine Story, und nicht drei oder vier."
AIDS-Forschung - Atom-Tests - Journalistische Meinungsfreiheit - Genmanipulation - Terrorbedrohung - Wirtschaftsmacht - Biogenetik: das ist alles ein bischen viel und wirkt am Ende etwas konstruiert und leider auch etwas verzettelt. Ein bischen weniger waere hier mehr gewesen.
Das Ende schien dann - im Gegensatz zu den schoen aufgebauten Haupthandlungsstraengen - gar etwas nachlaessig und schnell runtergeschrieben. Hat da der Verleger endlich Resultate verlangt, genau wie bei ihrem Helden?
Trotzdem: ich mag Tanja Kinkel bzw. die Art wie sie schreibt und freue mich auf weitere Buecher von ihr.