Simek stellt im vorliegenden Buch knapp, aber wesentlich die Religionen germanischer Stämme dar. Der Schwerpunkt dabei liegt geographisch in Südskandinavien, es wird aber auch die Situation in Deutschland und England geschildert. Neben den verschiedenen Opferkulten, wie z.B. das Waffenbeuteopfer, das gemeinschaftliche Opfermahl, Menschenopfer oder private Opfer wird auch die Frage germanischer Kultgebäude diskutiert. Des weiteren erläutert Simek die Götterwelt des germanischen Altertums und die der Wikingerzeit, ebenso wie die niedere Mythologie (Riesen, Zwerge und Alben), die Bedeutung der Magie und die Vorstellungen über die Welt der Toten, wie auch die Bestattungsweisen germanischer Stämme. Besonders gelungen ist es dem Autor dem Leser zu vermitteln, dass es keine einheitliche germanische Religion gibt, sondern dass sich z.B. die Götterwelt eines Germanen zur römischen Kaiserzeit doch sehr von der eines Isländers im 12.Jh. unterscheidet (zeitlich wie geographisch). In erster Linie stützt sich Simek auf die Auswertungen der archäologischen Funde sowie auf zeitgenössische Quellen (spätantike, christliche und arabische), statt sich auf die Wiedergabe christlich-mittelalterlicher Autoren zu stützen, die ein Germanenbild schufen, welches häufig für sie als ein Gegenbeispiel zur christlichen Religion diente und zudem zeitlich zu weit entfernt lag. Fragen, die sich durch den aktuellen Forschungsstand ergeben und nicht ausreichend beantwortet werden können, werden vom Autor bewusst offengelassen, anstatt durch spekulative Interpretationen zu deuten. Beispielsweise finden sich bei germanischen Quellheiligtümern keinerlei Hinweise über das Geschlecht oder den Namen, sowie Aussehen und Funktion der Gottheit, die hier verehrt wurde. Aus diesem Grunde wird jedwede Deutung hier vom Autor vermieden, sondern es wird versucht lediglich anhand der Fundsituationen Schlüsse zur Charakterisierung der Opfer zu ziehen.