Der Autor dieses Buchs, Rupert Schöttle, geboren 1957, studierte Musik in Salzburg und Wien, ist Cellist und Mitglied des Universitätsbeirates der Universität Mozarteum in Salzburg, und wirkt als freier Mitarbeiter bei den Wiener Philharmonikern und dem World Orchestra for Peace mit. Seine persönlichen Erfahrungen und die seiner Musikerkollegen mit den großen Dirigenten unserer Zeit flossen in dieses Buch ein.
Rupert Schöttle führt in diesem Buch zunächst in die historische Entwicklung des Dirigentenberufs ein, und zeichnet sie sodann anhand von dreizehn Lebensbildern großer Dirigenten der letzten 150 Jahre nach: Hans von Bülow, Hans Richter, Arthur Nikisch, Gustav Mahler, Arturo Toscanini, Bruno Walter, Otto Klemperer, Wilhelm Furtwängler, Hans Knappertsbusch, Karl Böhm, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein und Sir Simon Rattle.
Das Besondere an diesem Buch ist, daß Rupert Schöttle diese Pultgötter oder gar -tyrannen einmal nicht aus der Sicht ihrer Fans und Hofberichterstatter darstellt, sondern so, wie sie von den Orchestermusikern und sonstigen „Insidern" erlebt wurden und werden. Dabei wird viel Überraschendes und Erschütterndes, Befremdliches und Rührendes, kurz: Allzumenschliches, über die vermeintlichen Heilsfiguren offenbart. Der Autor scheut sich nicht, auch die problematische politische Rolle manches großen Dirigenten zu thematisieren.
Und als Leser gewinnt man die desillusionierende Erkenntnis, daß der geradezu monströse Ruhm dieses oder jenes Pultstars nicht unbedingt seinem eigenen Können, sondern vor allem den unzähligen anonymen Orchestermusikern zu verdanken ist, die ihm mal mehr, mal (glücklicherweise) weniger folgten, oder seine Intentionen auch ohne sein Zutun noch umsetzten, wie es etwa die Wiener Philharmoniker bei der letzten Einspielung („Elektra") von Karl Böhm taten. - Oder den Aufnahmetechnikern der Plattenfirmen, die aus mehreren hundert Schnipseln mühsam eine Interpretation zusammenstückeln, für welche dann die unwissenden Rezensenten dem Maestro Kränze flechten. - Rupert Schöttles gescheites und humorvolles Buch ist auch ein Abgesang auf ein zu Ende gehendes Zeitalter: das der Idolisierung der Maestri.
Nachwort, Anmerkungen und ein umfangreiches Literaturverzeichnis runden den Band ab. Die buchbinderische Verarbeitung ist exzellent; das Buch ist fadengeheftet und auf feinstes Hochglanzpapier gedruckt.
Der Preis ist auch dadurch gerechtfertigt, daß dem Band eine Audio-CD von etwa einer Stunde Spielzeit beiliegt, auf der sich ungekürzte Tondokumente einiger großer Dirigenten befinden, unter anderem eine Aufnahme von den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch aus dem Jahr 1913.
Wer „Götter im Frack" genossen hat, sollte sich keinesfalls Rupert Schöttles anderes Buch, „Spötter im Frack" entgehen lassen. Es bildet eine Ergänzung zu dem großen Band, gleichsam das Dessert zum Menü, und versammelt, wie der Untertitel verheißt, „Skurriles aus dem Orchestergraben", Erlebnisse und Anekdoten aus dem Erinnerungsschatz vieler Wiener Philharmoniker, von denen einige auch meisterhafte Zeichnungen und Karikaturen beisteuerten - Porträts von Dirigenten, Kollegen und dem „gewöhnlichen Bagagi". - Das Vorwort „Über den Humor in der Musik" verfaßte Nikolaus Harnoncourt.
Der reich illustrierte Band in der gleichen hochwertigen Verarbeitung wie „Götter im Frack" hat 144 Seiten und das Format B x H 21,5 x 24,5 cm. „Spötter im Frack" ist ebenfalls im Verlag Bibliophile Edition Wien erschienen.