Das Buch ist gewohnt gute Canavan-Kost, was Erzählweise und Figurenzeichnung betrifft. Allerdings ist der Spannungsbogen deutlich schlechter als in der Gilde der schwarzen Magier oder dem zweiten Teil von "Zeitalter der Fünf". Mit 200-300 Seiten weniger wäre das Buch spannender gewesen.
Es werden viele Figuren gezeichnet und Sympathie aufgebaut, obwohl sie nicht wichtig für die Geschichte wichtig sind. Auch die im Band 2 so lang geschilderte Geschichte des Meeresvolkes, der Elai, wird nicht weiter wichtig.
Darüber hinaus geraten in diesem Buch Landschaftsbeschreibungen, Esstisch-Szenen und andere Kleinigkeiten zu lang. Kurz: Es passiert über lange Strecken nichts Wichtiges und nichts Spannendes.
Hinzu kommt, dass am Anfang eines Kapitels/einer Szene oft erst mal mehrere Batzen berichtende Einleitungsworte über die Landschaft, die vergangenen Tage usw. kommen, ehe man zum Kern der Szene kommt - wenn es überhaupt einen handlungsrelevanten Kern gibt.
Dieses Warten auf das Finale ist um so ärgerlicher, da der zweite Teil Lust auf mehr macht und eine Ahnung gibt, was im dritten Teil passieren wird.
Die wirklich "große" Handlung tritt lange Zeit auf der Stelle. Zwischen den wichtigen Handlungspunkten ist diesmal einfach zu viel Unwichtiges. Sogar noch auf den letzten 300 Seiten, wo es spannender wird, macht sich ein gewisses Strecken bemerkbar.
Wie schon bei der Magiergilde gibt es am Ende des Buches kaum eine Steigerung beim Finale, kein Höhepunktfeuerwerk, aber das passt zu Canavans Stil.
3,5 Sterne für diesen Band, da er von der Struktur nicht so spannend und straff aufgebaut ist wie andere von Canavans Büchern. Dennoch erzählt Canavan weiterhin so gut, dass das Buch im Vergleich zu vielen anderen Romanen immer noch 5 Sterne verdient. Einige Einfälle im Buch begeistern dann wieder so sehr, dass man gerne fünf Sterne vergeben möchte - aber für 800 Seiten sind das eben zu wenige Stellen.
Annette Scholonek