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Hermann Göring, der aus einer großbürgerlichen Familie stammte, wurde im Ersten Weltkrieg als Fliegerheld gefeiert. In Hitlers Bewegung sah der eitle Selbstdarsteller eine Chance, ein neues,
abenteuerliches, gewissermaßen „heldisches" Leben zu führen - obwohl er die NSDAP „als eine Bande von Biersäufern" verachtete und ihm der „ideologische Kram" gleichgültig blieb.
Großspuriger Lebensstil, Rauschgiftabhängigkeit sowie infantile Freude an Fantasieuniformen und extravaganten Morgenröcken prägten ihn.
Am 30. August 1932 wurde Göring zum Reichstagspräsidenten gewählt. Ohne Hindenburgs Vertrauen in den Träger des Ordens „Pour le mérite" wäre Hitler am 30. Januar 1933 nicht Kanzler geworden ...
(Wäre ohne Göring das Grauen des „1000jährigen Reiches" ungeschehen geblieben?)
Joseph Goebbels, wegen seiner Gehbehinderung verspottet und als Sohn eines „Stehkragenproletariers" verachtet, als Journalist und Schriftsteller gescheitert, wurde zum haßerfüllten Außenseiter. Er klagte über die Ungerechtigkeit der Welt, gab dem Judentum
Schuld an seinem Versagen (sein fanatischer Judenhass war letztlich mit ausschlaggebend für Pogrome und Holocaust), suchte und fand schließlich als glühender Jünger Hitlers für sich eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Goebbels stilisierte den „Führer" zum Erlöser des deutschen Volkes, propagandierte das „nationale Erwachen"; indem er als fanatischer Demagoge mit unglaublicher Redegewandtheit die Massen zu dirigieren wußte, kompensierte er seine Minderwertigkeitskomplexe. (Wie wäre die Geschichte ohne
Goebbels verlaufen?)
Am Beispiel dieser beiden grundverschiedenen Charaktere veranschaulicht Dieter Wunderlich, wie es zu den grauenvollen Verbrechen der Nationalsozialisten kommen konnte. Er lässt den Leser erkennen, daß die NS-Herrschaft durchaus nicht „wie ein Meteor in die deutsche Geschichte einschlug" und es zu einfach wäre, Hitler als einzigartigen Dämonen abzutun. Vielmehr erleben wir, daß es sich bei denen, die Krieg und Völkermord organisierten, nicht um außerhalb der Gesellschaft stehende Ungeheuer handelte, sondern um Karrieristen, die ... „wie andere liebevolle Väter am Wochenende mit ihren Kindern spielten".
Und wieder einmal möchte ich den ungeheuren Fleiß des Autors bei der wissenschaftlich fundierten Recherche und die Fähigkeit zur fesselnden anschaulichen Darstellung hervorheben. Ich habe dieses
Buch gelesen, wie einen spannenden Roman. Und das ist es auch im besten Sinne. D.h., plastisch gezeichnete Episoden, wörtliche Zitate (die einem teilweise den Atem stocken lassen) und punktgenaue gesellschaftspolitische Hintergründe, werden so
effizient miteinander verknüpft und spannend dargestellt, daß das Bedürfnis zum Weiterlesen bei mir manche Nachtstunde verschlang.
Fast unauffällig, keineswegs aufgesetzt, wird man sich der geschichtlichen und individuenbezogenen Zusammenhänge bewusst. Und nur wer diese Zusammenhänge für sich selbst entdeckt, versteht die Warnung; im Wissen kann ähnliches verhindert werden.
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