Im Jahr 1782 - in Frankreich braut sich die aufkommende Revolution zusammen, in Deutschland feiert Goethe schriftstellerische Erfolge - fällt ein Teil der Schweiz ins Mittelalter zurück. In diesem Jahr findet in Glarus in der Nähe des Zürichsees der letzte Hexenprozess in Europa statt. Die Magd Anna Göldin gesteht unter der Folter, der zweitältesten Tochter ihrer früheren Herrschaft ein Brot zu essen gegeben zu haben, das Nadelsamen enthielt. Das Brot habe sie vom Teufel bekommen. Später erklärt sie, ein ihr bekannter Heiler habe ihr denn Samen gegeben. Das Kind, die achtjährige Anna-Maria Tschudi, hatte danach begonnen, Nadeln, Nägel und Draht zu erbrechen. Anna Göldin, vorbestraft wegen angeblichen Kindsmords, wird zum Tod durchs Schwert verurteilt, nachdem sie das Kind "geheilt" hat. Der Protest aufgeklärter Kreise nützt nichts, auch nicht die Tatsache, dass sie ein Kind von ihrem früheren Herrn erwartet...
Es ist ein dankbares Thema, dem sich Eveline Hasler meisterhaft widmet. Immer wieder blendet sie zurück, um über die Kindheit und Jugend der zukünftigen Magd in einer verarmten Familie zu berichten, über die Nachstellungen der Männer, denen die unerfahrene junge Frau hilflos ausgeliefert ist, über die Schwangerschaften und über die ständigen Wechsel der Stellungen. Sie ist vom Pech verfolgt, und so fällt sie am Ende einem boshaften Kind und den Intrigen einer korrupten reichen Obrigkeit zum Opfer, die alles dafür tut, um die Haut eines ihrer Mitglieder zu retten. In die Erzählung baut die Autorin auch immer wieder Auszüge aus Akten ein, die die Handlung sogar noch gespenstischer machen. Denn in diesen Akten kann man den Versuch der nachträglichen Rechtfertigung dieses Justizmordes - nichts anderes war es - nachlesen. Ein sehr engagiertes Buch über ein tragisches Frauenschicksal.