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Gödels überraschende Schlussfolgerung: Wenn Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, gibt es keine ZEIT; d.h. jene Zeit, die wir in unserer Alltagserfahrung empfinden, ist Illusion. Gödel bewies dies durch vollständige
Geometrisierung der Einstein`schen Raumzeit, wobei er ein Modell eines Universums zeigte (das sog. "Gödel-Universum") - das sowohl mit der speziellen als auch der allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar ist - in der ZEITREISEN in die Vergangenheit möglich sind. Gödels Schluss von einer solchen notwendigerweise möglichen Welt auf die real existierende Welt war eine intellektuelle Meisterleistung:
Da nicht sein kann, dass es in UNSEREM Universum "ZEIT" gibt, während sie in diesem möglichen Universum NICHT existiert, kann es auch in unserer Welt keine ZEIT geben. "Das zu leugen", schloss Gödel, "wäre so, als würde man behaupten, dass die Frage, ob es einen objektiven Zeitverlauf gibt (d. h. ob eine ZEIT im gewöhnlichen Sinne des Wortes existiert oder nicht), von der besonderen Weise abhängt, in der Materie und Bewegung in der Welt angeordnet sind". Er gibt zu bedenken, dass "eine philosophische Anschauung, die zu solchen Konsequenzen
führt, kaum als befriedigend erachtet werden kann".
Leider hat es Gödel unterlassen, zu erörtern, WARUM eine solche Weltsicht "nicht befriedigend" wäre, und WELCHE Konsequenzen eine derartige Behauptung, basierend auf eventuellen späteren neuen Erkenntnissen, mit sich ziehen würde..
Nach Gödel können wir demnach eine Welt haben, in der es eine Zeit gibt, oder eine Welt, in der es Existenz gibt - beides aber nicht. Und da "Existenz" ein nicht-relativierbarer Begriff ist, bleibt nur letzteres...
Damit relativiert sich aber der Platonismus, der von allem Anfang darauf bedacht war, "alles auch nur entfernt >Zeitliche< aus der Mathematik herauszustellen" (so Yourgrau) selber. Klar; denn die Kluft zwischen Alltagserfahrung und mathematisch begründbaren Ergebnissen wird UNÜBERBRÜCKBAR.
Das Buch ist ein MUSS für jedermann, der sich mit dem Grenzbereich zwischen Mathematik und Physik auf der einen Seite, und Philosophie und Erkenntnistheorie auf der anderen Seite, befasst. Unbedingt zu empfehlen!
Das klingt spannend und wirft sofort Fragen auf wie: wogegen rotiert ein Universum, wenn es nicht ausserhalb desselben gibt? Wieso und wie genau koennen in einem rotierenden Universum Zeitreisen realisiert werden? Und was waeren die Konsequenzen solcher Zeitreisen?
Doch wer in der Hoffnung naeheres zu erfahren zu dem Buch von Palle Yourgrau greift, duerfte mit ziemlicher Sicherheit enttaeuscht werden: der Autor ist Philosoph und unternimmt in seinem Buch keine Versuche, die naturwissenschaftlichen Zusammenhaenge von Gödels Entdeckung zu erhellen: mehr physikalisches, als ich oben geschrieben habe, ist auch in dem Buch kaum zu finden. Im Gegenteil: schon bei den elementaren Grundlagen der Relativitaetstheorie scheint der Autor verloren - so behauptet er beispielsweise, die spezielle Relativitaetstheorie waere fuer die Beschreibung beschleunigter Bewegungen generell ungeeignet - ein krasser Irrtum.
Doch auch wenn es an die philosophischen Fragestellungen geht, rezitiert der Autor viel und erklaert wenig. Wieso zum Beispiel die Denkbarkeit von etwas - zumindest aus Sicht des Philosophen - dessen Existenz erzwingt, waere schon einiger Erlaeuterungen wuerdig. Doch auch hier bleibt alles im Raume stehen.
Bleibt noch der biographische Gehalt des Buches, der auch nur sehr fragmentarisch ist, so dass der Leser mit einer der zahlreichen Einstein oder Gödel Biographien sicher besser bedient ist.
Fazit: ein interessantes Thema, aber leider ein Buch das die Neugierde nicht befriedigt. Schade.
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