Allan Pollok-Morris ist als Landschaftsfotograf mit starkem Fokus auf Schottland bekannt. Seine Fotos fangen die herbe Schönheit des Landes besonders authentisch ein, die kargen Hügel und einsamen Seen haben es ihm angetan.
In "Garten, Parks und Land Art in Schottland" geht er einen etwas anderen Weg, denn hier dominiert nicht die schottische Kulturlandschaft, sondern die Kultur in der Landschaft. Es ist eindrucksvoll, wie viele wunderschöne moderne Gärten in den vergangenen 20 Jahren in Schottland angelegt wurden, von dem geradezu bombastischen Jupiter Artland in Edinburgh bis hin zum exotischen aber naturnahen Garten des Jura House auf der Isle of Jura. Die Auswahl der Beispiele zeigt eine große Kennerschaft und gute Vernetzung in der Gemeinschaft der Gartengestalter, denn viele der Gartenkunstwerke sind öffentlich nicht zugänglich oder zumindest nur nach Voranmeldung. Es ist sehr hilfreich, dass am Ende des Buches neben den offiziellen Öffnungszeiten, bei den beschränkt zugänglichen Gärten die Kontaktdaten zu den Eigentümern genannt sind.
Der Schwerpunkt der Auswahl liegt eindeutig im Bereich der modernen Gartenarchitektur, obwohl mit Marry Ann Crichton Maitlands Herrenhaus in Aberdeenshire auch ein klassischer "englischer" Bauerngarten Erwähnung findet. Aber das rauhe Klima Schottlands erfordert immer Anpassungen von Standorten oder in der Pflanzenauswahl. Zwar genießt Schottland auch die Vorzüge des Golfstroms, aber die Winter sind lang und dunkel und nicht jede exotische Art, die in Cornwall gedeiht, findet ihr Auskommen in Schottland. Neben den herrlichen Gesamtaufnahmen, zum Teil sogar ergänzt durch Gartengrundrisse, sind es mannigfaltige Details, die Pollok-Morris geschickt ins Bild setzt. Das ist nicht nur eine Freude für Gartenfans, sondern ein ästhetisches Vergnügen, denn vor allem die modernen Gärten nutzen geschickt und geschmackssicher natürliche und künstliche Landschaftsformen zur effektvollen Inszenierung. Exklusive Baumaterialien und Outdoor-Kunst ergänzen sich dabei zu einem eindrucksvollen Erlebnisraum.
Aber nicht nur die Gärten selber stehen im Interesse von Pollok-Morris, sondern auch ihre Schöpfer. Alle Portraitierten haben ihre Gärten selber gestaltet, oder zumindest maßgeblich umgestaltet und alleine schon wie sie sich in ihrem "Reich" in Szene setzen, sagt viel über die jeweiligen Persönlichkeiten aus. Vom Macher in Gummistiefeln und großkarierten Flanellhemd bis zur manikürten Gräfin mit Schoßhündchen. Auf die Qualität der Gärten hat es glücklicherweise keinen Einfluss, ob die Eigentümer selber Hand anlegen oder dafür Personal beschäftigen. Dass alle ihre Schöpfungen lieben und viel Herzblut auf die Pflege verwenden, ist mehr als offensichtlich.
Wenn auch die meisten Leser nicht über einen Geldbeutel verfügen, der es erlauben würde, viele der Anregungen privat umzusetzen, so ist doch der fotografische Rundgang durch Schottlands schönste moderne Gärten mehr als ein preiswerter Ersatz dafür. Und natürlich eine unwiderstehliche Versuchung, sich diese grünen Kunstwerke, soweit möglich, einmal persönlich anzusehen.