Dieser wirklich gelungene Katalog zur Ausstellung Gärten (Ordnung, Inspiration, Glück) , die vom 24.11.06 bis zum 11.3.07 im Städel Museum in Frankfurt/Main die wintermüden Besucher erfreut, befasst sich zunächst detailliert mit epochebedingten, unterschiedlichen theoretischen Ansätzen zur Frage wie man das Paradies wiedergewinnen kann.
John Milton kommt 1674 in " Paradise Lost", zu anderen Ergebnissen als Voltaire 1759 in " Candide ou l`Optimisme " oder auch Ernst Bloch 1929 in seinen " Arkadien und Utopien ".
Das von Menschenhand geschaffene Abbild vom Paradies ist der Garten. Dessen Aufgabe besteht darin dem Menschen Schutz, Erholung und Inspiration zu schenken. Gärten sind die Spiegel der Seele und Orte des Rückzugs aus den Wirren des Alltags. Malern bieten sie immer wieder neue Bildideen.
Welche Vorstellung Botaniker von Gärten haben wird umfangreich erläutert, bevor man sich der 200 Arbeiten, die im Katalog vorliegen, visuell erfreuen kann. Die abgebildeten Exponate stammen aus international bedeutenden Museen. Sie sind nach Epochen geordnet und durch entsprechende Beiträge in gartentheoretische Kontexte gesetzt.
Um Ihnen einen kleinen Einblick in die Auswahl der Bilder zu geben, erlaube ich mir zehn Exponate zu benennen, die mich besonders beeindrucken.
" Das Paradiesgärtlein ", (um 1410/20), von einem unbekannten oberrheinischen Maler will zeigen, dass hier alles Böse ausgeschlossen ist und begeistert durch sein schönes Motiv und seine Farben, dem intensiven Blau, dem Rot , dem Grün und Gelb, das in den Pflanzen und Gewändern für harmonischen Ausgleich sorgt.
" Himmelschlüssel mit einem Marienkäfer" ,( erste Hälfte des 16. Jht.), aus dem Umkreis von Lukas Cranach dem Jüngeren( ein Aquarell) konzentriert sich auf die Darstellung einer Einzelpflanze, der Schlüsselblume, die in der christlichen Ikonografie eine sinnbildliche Bedeutung inne hatte. Sie stellt das Motiv für den Zugang zum Paradies dar. Den Marienkäfer (ein Glückssymbol) sieht man erst auf den zweiten Blick. Er hat sich unter ein Blatt verkrochen.
" Tulpenaquarelle ", um 1630, von Georg Flegel. Tulpen waren dereinst ein Statussymbol. Mit den Zwiebeln wurde an der holländischen Tulpenbörse viel Geld gewonnen aber auch verloren. Flegel hat die schönsten damaligen Sorten verewigt. Rosa-, Gelb-, und Grün-Töne gestalten seine Aquarelle sehr edel.
" Spielende Kinder" , 1882, von Max Liebermann. Dieses wunderschöne Bild in typischem Liebermann-Grün und sorgt für Heiterkeit und Liebenswürdigkeit
" Stilleben- Frühlingsblumen im Gewächshaus", 1864 , von Pierre Auguste Renoir. Die Farben drängen sich auf ganz engem Raum und potenzieren ihre Leuchtkraft dadurch, dass der Hintergrund matt graugrün verbleibt.
" Morgenblumen", 1885, von Ernest Quost zeigen eine frühmorgendliche Atmosphäre, zarte Pasteltöne , wunderschön komponiert.
" Der Flieder" um 1890 von Ferdinand Hodler soll die sensible Beziehung zwischen Natur und Zivilisation vor Augen führen. Auch hier findet sich die Verbindung von rosafarbenen, hellgrünen und weiß-gelben Tönen, die so angenehm für das Auge sind.
" Kastanienallee im Jas de Bouffan" 1880, von Paul Cezanne, ist ein Aquarell, das durch seine Einfachheit in der Gestaltung besticht.Typische blau-grüne Cezanne Farben. Hervorragend!
"Tempelgärten", 1920 , von Paul Klee ist eine abstrakte mediterrane Bildkomposition mit magischer Ausdruckskraft. Beeindruckend!
" Vegetation" 1916, Max Ernst. Hier spielen dunkle Rot- und Grün-Töne eine Rolle. Der Maler zeigt in diesem Bild die verselbstständigte Natur.
Außer Zweifel steht, dass auch die Gemälde von Watteau, Frangonard, Pissaro , Monet, van Gogh , Matisse und die Bilder der anderen Maler der Ausstellung beeindrucken und natürlich ist man auch begeistert von Maria Sybille Merians " Buschrose mit Mimiermotte" und Goethes floralen Erinnerungsstücken seiner Italienreise , die man dank des Katalogs ausgiebig studieren kann .
Während ich mich an den vielen Bildern immer wieder erfreue, denke ich an John Milton, der sein 12 bändiges Epos " Paradise Lost" mit den tröstenden Worten enden läßt: In narrow room nature`s whole wealth, yeah more. A heav`n on earth ."
Wenn Sie himmlische Einblicke haben möchten, dann beschenken Sie sich mit diesem Katalog. Sie werden viel Freude daran haben.
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