Dieses Buch ist leider bei weitem nicht so gut wie der 14 Jahre früher entstandene Roman
Unter Wasser stirbt man nicht!. Zwar ermittelt auch hier Privatdetektiv Lew Archer und wieder geht es um einen Fall, der weit in der Vergangenheit seinen Ursprung nimmt. Aber das Buch ist deutlich weniger spannend und liebevoll erzählt.
Über weite Strecken hat man das Gefühl, vor einem liegt ein Theaterstück, kein Roman. MacDonald beschränkt sich diesmal fast ausschließlich auf Dialoge, in denen er seine Geschichte erzählt. Aber es fehlen die Bemerkungen zwischendurch, die Beobachtungen, für die Ross MacDonald berühmt ist und geliebt wird.
Dabei sind einige der Dialoge durchaus auch in diesem Buch witzig. "Ich könnte Ihnen Dinge erzählen, dass Ihnen die Haare zu Berge stünden". "Schießen Sie los! Meine glatte Frisur geht mir schon längst auf die Nerven".
Beim Lesen hat man immer wieder das Gefühl, man würde einen Agatha Christie-Roman lesen. So viele Namen und Personen kommen vor. Alle paar Seiten wird eine neue Figur eingeführt. Die eine oder andere Rolle erinnert in ihrer Tragik auch an George Simenon. Natürlich sind weder Simenon noch Christie die schlechtesten Vorbilder, im Gegenteil! Aber wo 'Ross MacDonald' daraufsteht, sollte Ross MacDonald drinnen sein. Hier fehlt leider der typische Ross MacDonald-Stil.
Lew Archer ermittelt sich durch die Geschichte, bekommt bei seinen Ermittlungen kaum Schwierigkeiten. Jeder redet mehr oder weniger bereitwillig mit ihm, erzählt seine Geschichte. Wenn alles so glatt und reibungslos läuft, verliert man als Leser aber bald das Interesse. Zum Schluss überrascht MacDonald allerdings mit einer Lösung, mit der ich nicht gerechnet habe.
Für 'Noir'-Liebhaber ist Ross MacDonald grundsätzlich ein guter Tipp. Allerdings sollten sie eher mit dem oben erwähnten Buch beginnen:
Unter Wasser stirbt man nicht!.