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Produktinformation
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Critica Diabolis 122
Aus dem Englischen von Norbert Hofmann
Mit zahlreichen sw Abbildungen
Paperback, rd. 400 Seiten
Edition TIAMAT / Verlag Klaus Bittermann
BUCH-REZENSION
Edition TIAMAT hat in den letzten Jahren wiederholt bewiesen, dass dieser innovative Verlag bei seinen Produktionen größten Wert auf Authentizität und damit eine unverfälschte Darstellung legt. Neuestes Beispiel hierfür ist die Kulturstudie von Alex Bellos mit Namen "FUTEBOL - Fußball. Die brasilianische Kunst des Lebens". Der echte Fußball-Kultur-Anhänger ist über die Jahre zunehmend vorsichtig geworden. Die pervertierte Kommerzialisierung des Fußball nimmt immer unerträglichere Auswüchse an. Sport-Journalismus mutiert mehr und mehr zum Small-Talk-Gewäsch à la DSF-Doppelpass. Umso wichtiger ist es, dass Verlage wie Edition TIAMAT Hofberichterstattung gänzlich ablehnen. Auch mit dieser -endlich in deutscher Sprache- vorliegenden Neuerscheinung des gleichnamigen britischen Sportbuches, setzen die Berliner Verleger Maßstäbe in kritischer Sportberichterstattung. Distanz und heißes Fußballherz sind kein unüberwindlicher Gegensatz. Das beweist Alex Bellos in jedem der 15 Kapitel.
Der Autor zeichnet ein umfassendes Portrait Brasiliens, auch über den Fußballs hinaus. Er gibt dem Leser eine geographische Einordnung an die Hand und skizziert die typischen Charaktereigenschaften einzelner Regionen und Menschen. Im Anhang erfährt man Wissenswertes zum Hintergrund und zur Entstehung der größten Clubs und findet eine Statistik zur brasilianischen WM-Geschichte sowie ein "Rezept" zum Herstellen eines Fußballs im Dschungel. Schließlich erklärt Bellos die Entstehungsgeschichte der Nationaltrikots, deren Entwürfe wir auf dem Cover bewundern dürfen. Bellos sieht aber auch über die Grenzen des Landes hinaus. Er bereist Europa und besucht auf den Faröer-Inseln drittklassige brasilianische Profi-Fußballspieler namens Marcelo, Messias oder Marlon auf. Wir erfahren viel über deren enttäuschte und erfüllte Hoffnungen im fernen und kalten Nordeuropa. Brasilen besitzt quasi eine Fußballindustrie mit über 20.000 Profis, so, dass einige ihr Glück auch in unteren transatlantischen Ligen suchen müssen.
Spannend sind seine Beschreibungen der Ursprünge des Fußballs in Brasilien mit dem rasanten Aufstieg ab 1894. Wer weiß hierzulande schon, dass auch Deutsche einige Vereine im Land des Zuckerhutes entscheidend mitgeprägt haben? Bis in den Urwald ist der Fußball-Sport vorgedrungen und treibt Fanatiker zu völlig abstrusen Verhaltensweisen beim Neubau von Stadien in unwirtlicher Landschaft. Gleiches gilt für das größte Fußballturnier der Welt, welches mit einer Schönheitsköniginnenwahl kombiniert wird oder für die gesellschaftspolitische Bedeutung der Endspielniederlage von 1950 gegen Uruguay. Das skurrile Verhältnis von Karneval und Fußball wird ebenso erhellend beleuchtet. Oft wirken die Geschichten zunächst unglaubwürdig, fast erfunden, sind jedoch Ausdruck einer für Europäer völlig fremden Begeisterungsfähigkeit, die über das für uns oft entscheidende "Siegen" weit hinaus geht. Bellos lässt die großen Fußballlegenden auferstehen, ohne dabei in Ehrfurcht zu erstarren. Er schaut hinter die Fassade großer Sportler und wir erkennen nicht selten deren Alltagsuntauglichkeit. Gerade das macht das Buch so menschlich und einzigartig.
Fazit: das Werk ist fachlich sauber recherchiert und spannend geschrieben. Zu einer Zeit in der wahrer Sportjournalismus zur Randerscheinung verkommt, ist das Buch ein echter Gewinn, um den Spaß am Spiel mit der einstigen Lederkugel zurückzugewinnen.
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