... und ein lohnenswerter Kauf für alle, die das runde Leder süchtig verehren. Wer an den Fußball ‚glaubt’, findet großen Spaß am „Fußball Unser“, das sich in Kunstleder gefasst, mit Goldschnitt und Markierungsbändchen auch gleich als Gebetbuch präsentiert. Der Inhalt sind ca. 180 Seiten, klein bedruckt mit unzähligen Informationen von der großen Fußballbühne und Kuriositäten aus der ganzen Welt. All die akribisch zusammengetragenen Fakten aus der normalen und der verrückten Fußballwelt reichen von historisch Wissenswertem wie den WM-Torschützenkönigen, den jüngsten Bundesliga-Debütanten oder den berühmtesten Pokal-Debakeln des FC Bayern München über bunte Nebensächlichkeiten wie die WM-Songs der DFB-Elf, Maskottchen im deutschen Fußball, Jobs der Schiris und treffende Torhüter von Chilavert bis Butt bis hin zu wirklich Wichtigem wie den Frauen, die George Best verlassen haben, österreichischen Fußballvokabeln von Fersler bis Schinkerl und seitenweise Spitznamen von Knallgöwer bis Schnitzel. Auf der Jagd nach Statistiken wurden die Autoren in der Bundesliga ebenso fündig (größte Elfmetertöter, kürzeste Gastspiele, gefährlichste Stadien für Gästefans bei Auswärtsspielen in der Saison 76/77, ...) wie in Rumänien (engste Tabelle – der 2. ist nach 30 Spielen 2 Punkte vom 15. entfernt), Liechtenstein (nur ein Verein stand nie im Pokalfinale), Madagaskar (149 Tore in einem einzigen Erstligaspiel) oder Ungarn, wo der VFC Haladás als Vorzeige-Fahrstuhlmannschaft 25 Mal auf- und abgestiegen ist. Wir erfahren etliche Statistiken und Geschichten aller möglichen Turniere weltweit ebenso wie die Zusammensetzung von Stadionwurst, Rasensaat und Linienmarkierung. Schlimme Dinge wie Stadionkatastrophen und Todesfälle sind ebenso vertreten wie die dämlichsten Verletzungen (Torhüter brüllt seine Abwehr an und renkt sich den Kiefer aus), die berühmtesten Flitzer in Stadien oder Erscheinungen, die nach Fußballern ‚benannt’ wurden, vom Fritz-Walter-Wetter bis zur Tante-Käthe-Frisur. Einmalige Phänomene wie Weltenbummler Rudi Gutendorf mit all seinen Trainerstationen wechseln sich mit kuriosen Schiri-Fehlentscheidungen und wahrlich großen Serienmeistern in Ländern von Vanuatu bis Äquatorial-Guinea ab; und zudem dichten die Autoren auch noch ein klein wenig Eigenes hinzu mit Filmtiteln von „Jäger des verlorenen Platzes“ bis „Kohler rennt“. Historisches wie abgerissene Stadien, z.B. Wembley, vermischt sich mit Gags wenn es darum geht, was von ihnen übrig geblieben ist, nämlich der Groll englischer Fans, weil ein Deutscher dort das letzte Tor gemacht hat. Endlich erfahren wir, wann festgelegt wurde, dass auf der Spielfläche keine Bäume und Sträucher stehen dürfen, welchen Spielern die hässlichsten Trikots aller Zeiten besonders gut standen, und wann man statistisch gesehen am ehesten Bier holen kann, ohne ein Tor zu verpassen. Und nicht nur die Eigenheiten berühmter deutscher TV-Kommentatoren bei WM-Endspielen und die letzten, teils historischen Sätze ihrer Radiokollegen sind abgedruckt, sondern – jawoll! – die kompletten Reden von Lothar Matthäus bei den New York Metro Stars (Antrittsrede) und von Giovanni Trapattoni bei der Pressekonferenz in München („Flasche leer“ etc.) mitsamt aller grammatischer Finessen.
Wohl nie zuvor gab es so viele bunt zusammengewürfelte Informationen und Anekdoten rund um das Thema Fußball in einem einzigen Buch... die man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gesucht hat. Etwas gezielt darin zu finden, ist auch ganz schön schwierig – nein, „Fußball Unser“ ist ein Schmökerwerk für kurzweilige Unterhaltung, die sich nur eben aus den unglaublichsten Informationen zusammensetzt – unendlich uninteressant für Leute, die mit Fußball nichts am Hut haben. Die anderen wissen bald, welche italienischen Nationalspieler nicht auf einen Vokal enden, mit welchem Spielsystem Brasilien 1958 Weltmeister wurde, aus welchen Knochen der Fuß besteht und dass es 70 verschiedene Arten von Schwalben gibt, von der Felsen- bis zur Uferschwalbe – es wird eben auch hin und wieder erfrischend zynisch. Einziges Manko: „Fußball Unser“ ist mit einigen Statistiken zur Bundesliga wie Heim-Fankurven, den größten Mannschaftsbussen und Mitgliederbeiträgen der Klubs nicht ‚zeitlos’, sondern bezieht sich auf die Vereine der Saison 2005/06. Das Vergnügen sollte dennoch zeitlos bleiben.