Analog zu der zwei Jahre zuvor erschienen WM-Klassikersammlung veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 eine 40 Ausgaben umfassende Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei europäischen Turnieren sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.
Die Fußball-Europameisterschaft 1992 ist eigentlich nur durch den Sensationsieger, das für das wegen des Balkankriegs gesperrte Jugoslawien nachnominierte Dänemark, im Gedächtnis gebleiben. Sportlich gab es in den kleinen schwedischen Stadien fast ausschließlich Magerkost zu sehen, wobei sich der englischen Nationalspieler David Platt glatt zu der Aussage "Wenn die Zuschauer Unterhaltung wollen, dann sind sie hier falsch" hinreißen ließ. Auch der amtierene Weltmeister Deutschland würgte sich durch die Vorrunde und kam nicht einmal aus eigener Kraft bis in dieses am 21. Juni im Stockholmer Råsundastadion gespielte Halbfinale gegen den Gastgeber, der sich mit teilweise begeisternden Vorstellungen als Gruppensieger qualifiziert hatte.
Hier zeigte das mit noch acht Weltmeistern spielende deutsche Team dann seine beste Turnierleistung, gerade Thomas Häßler und Matthias Sammer spielten groß auf. Lange Zeit hatte man die Schweden sicher im Griff, das Endergebnis täuscht aufgrund eines unberechtigt gegebenen Elfmeters und des nach einem Illgner-Blackout in der Schlussminute der Partie gefallenen kuriosen Anschlusstreffers etwas über den tatsächlichen Ereignisverlauf hinweg. Zu harmlos die schwedischen Angriffe über die Superstars Brolin und Dahlin und zu abgeklärt auf der anderen Seite Karlheinz Riedle. Von daher: ein hochverdienter Finaleinzug!
Das von schweren Hooliganattacken geplagte Turnier hatte auch seine nett-kuriosen Seiten, gerade die farbenfreudigen Bekleidungsstücke beider Torhüter sowie das scheußliche lila-gelbe Pastelljackenungetüm von Bundestrainer Berti Vogts zeugen davon. Dazu ein sehr ordentliches Spiel mit fünf Toren in passabler Bild- und Tonqualität - was will man mehr? Wieder einmal schmerzlich vermisst. Archivmaterial in Form von Interviews, Halbzeitanalysen oder Vorberichterstattungen, wie das noch bei der WM-Klassikersammlung zum Standard gehörte. Auch der Doppelkommentar von Gerd Rubenbauer und Karl-Heinz Rummenigge ist stellenweise arg gewöhnungsbedürftig. Somit die zweithöchste Wertung.