Im Mittelpunkt von 'Fury' steht Malik Solanka, ein ehemaliger Professor an der Cambridge University, reich geworden durch die Kreation einer Puppe und einer damit verknüpften Fernsehserie, der aus heiterem Himmel seine Familie und Umgebung verlässt und nach New York flieht. Wie der Titel nahe legt, fühlt er sich von den legendären Furien getrieben und verfolgt, und er versucht, in der Anonymität New Yorks einen neuen Anfang zu versuchen und sich neu zu 'erfinden'. Jedoch hat er seine Alpträume mit sich genommen, und die Furien holen ihn schliesslich buchstäblich ein.
Der Roman verfolgt viele miteinander verwobene Ebenen und Erzählstränge. Die Metapher der Puppe, der Marionette, zieht sich durch den ganzen Roman und damit die Frage nach dem, was das Individuum wirklich auszeichnet und es von einer mechanischen Schöpfung unterscheidet. Es ist ein Buch auch über die U.S.A. im letzten Regierungsjahr Clintons, auf dem Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Macht, in einem noch ungebrochenen Börsenboom und besonders auch über New York, über den Kommerz, über eine sinnentleerte Gesellschaft, in der Fassade wichtiger ist als Inhalt. Pädophilie und Inzest, Internetkultur und ethnische Konflikte seien als Beispiele für weitere Themen genannt, die Rushdie in die Handlung einflicht.
Auch in 'Fury' findet man den gewaltigen Sprachfluss Rushdies, Momente unvergleichlicher Fabulierkunst und einige unvergessliche, vielgründige Charaktere. Dennoch, das Buch hat insgesamt nicht die Wucht seiner Vorgänger. Liegt das daran, das dies sein erster Roman ist, der praktisch zu 100% im Westen spielt, in einer reduktionistischen Gesellschaft? Braucht Rushdie die Magie des Orients in seiner Handlung, um in seinen schriftstellerischen Fähigkeiten das Maximale zu erreichen? Wir müssen wohl bis zu seinem nächsten Opus warten, um diese Frage beantworten zu können.