Im März 1942 spielten die Berliner unter Furtwängler die neunte Sinfonie ( der Film von Szabo über Furtwängler reflektiert dies unter dem Aspekt,ob Furtwängler damit Hitler ehren wollte- taking sides-). Wenn man diese Aufnahme hört, wird man von ihr überrollt. Mit unfassbarer Gewalt wird diese Musik exekutiert,quasi ein Einmarsch in das Gemüt,man hört die mächtigen Pauken im ersten Satz und denkt unwillkürlich an eine Panzerschlacht. So mächtig, fast grausam- Beethoven überlebensgross. Er erdrückt einen, man winselt um Gnade.Furtwängler wählt extreme Tempi, im vierten Satz wird daraus ein wahrer Hexenkessel, mit übergrossem Druck und Wahnsinnstempi. Die Solisten singen um ihr Leben, der Chor schmettert,man assoziiert, die stehen da im Stahlhelm. Ist das schön ? Keinesfalls, es ist überwältigend. Die Kraft der Musik Beethovens wird zur Macht,Beethoven eine Heroe, der ins Riesige hineinwächst. Wenn man diesen Furtwängler gehört hat, müssen einem anderen Interpretationen verniedlichend erscheinen, harmlos ( für Beethoven-Musik eher ein Todes-Urteil). Anders als Karajan, der die Beethoven-Sinfonien aufbläst und daraus einen hohlen Pomp macht ( gerade bei der 9ten in der letzten Version 1982), ist die Interpretation von Furtwängler existentiell. Wird der Grössenwahn der Nazis verherrlicht oder ist es ein Aufschrei gegen das Regime und den schrecklichen Krieg ? Mindestens kann die erste Interpretation nicht ausgeschlossen werden. Und dennoch- völlig politisch unkorrekt- sitzt man und hört und hat eine Gänsehaut. Technisch sind diese Aufnahmen unbefriedigend, aber es kommt viel von der gespannten Atmosphäre des Saales herüber. Die Musiker haben die Menschen hörbar in ihren Bann gezogen und manche müssen die übermässige Spannung durch Geräusche abbauen.Fascinierend.