Richard Laymons Schreibstil ist flüssig und obwohl kaum eines seiner Bücher unter 500 Seiten zählt, sind sie absolute Pageturner, die man regelrecht inhaliert, wenn man erstmal mit dem Laymon-Virus infiziert ist. Bei mir ist der Funke auch erst nach dem zweiten oder dritten Roman übergesprungen, so genau weiß ich das nicht mehr, aber spätestens seit seinem erstklassigen Werk 'Die Show' (The travelling Vampire Show'), lass ich mir keines seiner Werke entgehen. Allerdings sind bei der Fülle an Veröffentlichungen nicht nur Perlen dabei, tatsächlich gibt es sogar viele Bücher, die nur mittelmäßig sind, und wenn man Pech hat, dann erwischt man einen der seltenen, schlechten Romane, wie beispielsweise 'Die Insel' oder 'Das Teffen', beides eher spätpubertäre Fantastereien, wobei letztere sogar noch erschreckend harmlos und langweilig ist. Wer auf der Suche nach neuem Lesestoff oder einem neuen Autor ist, der die bibliophile Sucht nach bedrucktem Papier zu stillen vermag, der hat die Qual der Wahl. Nichts ist daher besser geeignet, um den Stil eines Autors kennen zu lernen, als ein Band mit Kurzgeschichten, vor allem dann, wenn auch eine komplexere Story im Buch enthalten ist. 'Furien' ist daher der ideale Einstiegsband für alle, die sich näher mit dem Phänomen Laymon befassen wollen. Und die Fans des Autors kommen ohnehin voll auf ihre Kosten. Ich selbst bin im Grunde kein großer Freund von Kurzgeschichten und Anthologien. Das immer neue Einstellen auf neue Plots, neue Settings und neue Charaktere ist auf die Dauer sehr ermüdend, obwohl ja gerade die Kurzgeschichte enormes Talent verlangt, denn auf wenigen Seiten eine Story zu entwerfen, die den Leser fesselt ist nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Richard Laymon hat dieses Handwerk jedenfalls mindest so meisterhaft beherrscht, wie das Schreiben von Romanen.
INHALT:
Unholde
Der Katzenwurf
Die Blutspur
Der Anhalter in der Wüste
Die Maske
Vorkoster
Die Jagd
Einschnitte
In der Wildnis
Ungebetene Gäste
Die Auserwählten
Joyce
Ein ruhiges, stilles Örtchen
Bislang hat es eigentlich kein Autor geschafft, dass mir alle seine Kurzgeschichten gefallen haben. Stephen King und Dean Koontz sind verdammt nahe dran gewesen, aber erst Richard Laymon hat es erreicht, dass ich wirklich jede einzelne Seite dieser Story-Sammlung mit Spannung und Genuß gelesen habe. Dabei zeigt sich der Schriftsteller außerdem sehr abwechslungsreich und vielseitig. Einen Favoriten aus dem vorliegenden Buch herauszupicken ist wahnsinnig schwer, denn auf ihre Art sind sie alle einmalig und grandios. Herrlich abgedrehter Wahnsinn zwischen Blut, Gewalt, Sex und Humor. Wirklich herausragend ist allerdings 'Vorkoster', ein eindrucksvolle Bewies, dass sich Laymon auch auf humorvolle Kriminalgeschichten verstand. 'Die Auserwählten' ist etwas für Vampir-Fans und hebt sich außerdem erfrischend vom üblichen Romancy-Quark ab. 'Joyce' ist eine bitterböse Erzählung über eine Liebe die buchstäblich über den Tod hinaus reicht. 'Die Jagd' hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Roman des Autors zu tun, der bei Heyne Hardcore erschienen ist, sondern ist eine geniale Story, mit einem unerwarteten Ende. Der deutsche Titel 'Furien' bezieht sich auf die Novelle 'Unholde' und ist eine typische Geschichte des Schriftstellers, in dem es um verstörende Brutalität und Vergewaltigung geht. Ein eindrucksvoller Beweis für das Können des Autors und den Reiz, den Laymons Storys auf den Leser ausüben. Seine Protagonisten sind selbst nie vor den Gräueln menschlicher Abgründe sicher und wo andere Autoren nur andeuten und umschreiben, da geht Laymon ins Detail.