Ohne Frage ist dieses Werk eines der wohl eindeutigsten Werke der deutschen Exilliteratur in Bezug auf seine Position gegen den Nationalsozialismus, welches schon in den grundsätzlichen Umrissen des Buches deutlich wird: Anstatt eine zusammenhänge Geschichte in seinem Drama zu erzählen, wählte Brecht 24 Einzelepisoden, die den Alltag im nationalsozialistischen Deutschland beschreiben sollten. Die Auswahl eben jener Episoden ist durchweg überaus gelungen und durchdringt wirklich alle Bereiche des täglichen Lebens vom Fleischer neben an über den Dorfpfarrer bis zu den Größen der deutschen Physik, wobei die Darstellung an vielen Stellen schon etwas Gleichnishaftes besitzt. Dieses wird dann im jeweiligen Kontext auch noch dadurch unterstrichen, dass jedem Abschnitt ein kleines Gedicht vorangeht, welches wohl die zentrale "Moral" der jeweiligen kurzen Geschichte auf den Punkt bringt.
Stilistisch bleibt Brecht (wie sollte man es anders erwarten?)das ganze Stück über auf höchsten Niveau und liefert ein wahrlich "rundes" Bild ab: Keine überflüssigen Wortschwälle, keine abgehobenen Fabulierungen mit dem moralischen Hammer, keine schroffen, harschen Misstöne, die den Leserhythmus stören könnten.
Dennoch gibt es zumindest einen sehr gewichtigen Nachteil dieses Buches, nämlich das es überaus zeitgenössisch zu betrachten ist und somit wohl eher für jene geeignet ist, die an der literarischen Qualität des Buches gefallen finden. Der Grund dafür ist wohl ebenso banal wie nicht zu verleugnen: Manche Geschichten wirken arg übertrieben (Beispiel: Eine Frau führt ein Haushaltsbuch und wird allein wegen dieser Tatsache verhaftet, weil die darin festgehaltende allgemeine Preissteigerung staatsfeindliches Gerede sei.), wohingegen andere schon aus Film und Fernsehen den meisten Menschen bereit sein dürften. Kaum jemand mag so noch allzu überrascht sein, dass Richter im Nationalsozialismus meist versuchten im Sinne der Staatsgewalt zu urteilen oder dass SA-Männer alle Kreise der Gesellschaft unterwanderten und sogar enge bekannte an die Gestapo verrieten. Kurz und gut: Für die damalige Zeit beeindruckende Einsichten über den NS, die heute aber schon eher zum Allgemeinwissen gehören.
Als kleine Besonderheit soll hier noch hinzugefügt werden, dass in dieser Ausgabe die Chorgesänge der Bühnenfassung des Dramas nachzulesen sind, was nicht nur schön zu lesen ist, sondern die generelle Intention des Stückes noch einmal deutlich bekräftigt.
Alles in allem ein Stück bedeutender deutscher Exilliteratur, dass wegen seines literarischen Wertes sehr lesenswert ist, mag es auch beim Leser nicht allzu tiefgreifend neue Erkenntnisse über den NS hervorbringen.