Die Filme des österreichischen Kult-Regisseurs Michael Haneke gelten, vorsichtig ausgedrückt, als schwierig. "Funny Games U.S.", ein mit hochkarätiger Besetzung gedrehtes Remake des (fast) gleichnamigen Films von 1997 macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme: In seiner extremen, den Zuschauer im wahrsten Sinne verstörenden Schockwirkung ist das knapp 110 Minuten lange Werk vergleichbar mit Lars Von Trier (etwa "Dancer In The Dark" oder "Dogville"), in Bezug auf die Notwendigkeit einer Nachbesprechung oder Diskussion auf einem Level, das sonst höchstens ein Film von David Lynch ("Lost Highway") erreicht. "Funny Games U.S." macht dabei auch auf dem Bildschirm relativ schnell klar, dass er alles andere als ein normaler Film ist, selbst wenn er relativ gemächlich und konventionell startet.
Ein junges Paar mit Kind wird in seinem Feriendomizil mit einen extrem plötzlich über sie hereinbrechenden Psycho-Grauen konfrontiert, mit extremer Gewalt in Form zweier Jugendlicher, die "ein Spiel spielen wollen", das in der Wette besteht, dass die Familie am nächsten Tag tot sei. Die Frage nach dem Warum, ausdrücklich gestellt von den Opfern wird dabei nur lapidar beantwortet mit einem "Warum nicht?" von Seiten der Täter, eine Rechtfertigung der Tat oder eine Motivation wird nicht nur nicht gegeben, sondern ausdrücklich als unbedeutend abgelehnt, sicherlich auch lesbar als ein ironischer Seitenhieb auf das Gewaltkino. Noch deutlicher wird eben diese beißende Ironie, als die Psychopathen erklären, warum sie ihre Opfer denn nicht direkt umbrächten: Man dürfe nie den Unterhaltungswert bei der ganzen Sache vergessen.
Mittels des filmischen Mittels der direkten Ansprache des Zuschauers über die Grenzen der Kamera hinweg gelingt es Haneke dabei, denjenigen, der den Film ansieht, auch noch direkt auf die Seite der Täter zu ziehen, als wäre der Film nicht auch ohne diese erzwungene "Mittäterschaft" schon grauenhaft genug. Der normale, voyeuristische Blick auf filmische Gewalt, der uns dazu bringt, die üblichen Horror und Slasher-Filme aus der Distanz heraus zu genießen zu können, funktioniert bei diesem Film nicht. Man möchte eigentlich lieber wegsehen, an machen Stellen, dabei wird, und das ist der zweite große Kniff, den Haneke anwendet, explizite Gewalt in dem ganzen Streifen eigentlich nicht gezeigt, sondern jeweils nur angedeutet. Das, was man in der eigenen Phantasie erzwungenermaßen auf Seite der Täter miterlebt, ist dabei aber so grauenhaft, so dass man am Ende fast zwingend dem von Regisseur intendierten Schluss kommen muss, dass es sich hier um einen Film handelt, der ähnlich wie einer der sogenannten Anti-Kriegsfilme mittels einer Potenzierung der Gewalt genau diese kritisiert.
Der Blick auf Filme wie die "Saw"-Reihe wird dem einigermaßen reflektierten Zuschauer nach "Funny Games U.S." jedenfalls nicht mehr so leicht fallen wie zuvor. Und wenn natürlich bei solchen Filmen immer die Gefahr besteht, dass ein paar Leute die Ironie des Geschehens bzw. die eigentliche Botschaft nicht verstehen und sich an der Gewalt an sich berauschen: So leicht ist auch das bei "Funny Games U.S." nicht, weil ein Mindestmaß an eigener Denkleistung immer gefordert ist, und sei es nur, die Leerstellen zu füllen. Haneke erreicht mit "Funny Games U.S." eigentlich genau das, was er wollte: Noch einmal diesen Film auf die Leinwand und die Bildschirme zu bringen, der wie kein anderer sinnlose Gewalt darstellt, thematisiert und auf eine nicht belehrende Art und Weise kritisiert, und dabei aktueller als je zuvor ist. Fünf Sterne für einen in jeder Hinsicht radikalen Film.