Cover-Versionen stehe ich grundsätzlich kritisch gegenüber. Wenns denn unbedingt sein muss, dann aber bitte so, dass sich die neue Variante vom Original gründlich unterscheidet, sie neue Akzente setzt und den Hörer zum Staunen bringt. Sonst kann ich mir ja gleich das Original anhören, das in 90 Prozent der Fälle sowieso unerreichbar ist und auch bleiben soll.
Als eingefleischter ABBA-Fan der allerersten Stunde hielt ich natürlich auch die Musik der schwedischen Vier für nicht coverbar. ABBA-Songs gelten ja generell als äusserst schwierig zu interpretieren, was eigentlich erstaunt, sind doch die meisten ihrer Stücke eingängige Ohrwürmer vom Feinsten. Das ist wohl auch das Geheimnis ihrer unsterblichen Musik: Sie kommt mit einer Leichtigkeit daher, dahinter steckt aber hohe Melodiösität, sehr viel Rafinesse und wohl das Quäntchen unerklärbare Magie, die es braucht, um für alle Ewigkeiten in den Pop-Himmel zu kommen. Unnachahmlich. Deshalb lieber gleich: «Finger weg!»
Und jetzt kommt Nils Landgren und wirft mich von den Socken. Landgren schafft es, mit seiner unaufdringlichen Funk Unit eben genau nicht in die Retortenfalle zu tappen, sondern sämtlichen elf Songs seinen eigenen Stempel aufzudrücken und völlig eigenständige kleine Meisterwerke zu basteln. Es stört mich dabei nicht im Geringsten, dass ich einige Stücke nicht gleich nach den ersten drei Takten erkenne - ganz im Gegenteil.
Besonders angetan haben es mir «Voulez-Vous» mit seiner schlichtweg genial-funkigen Schrägheit, aber erstaunlicherweise auch Titel, die ich jetzt nicht unbedingt zu den stärksten ABBA-Werken zähle, wie z.B. «Thank You For The Music» und «Super Trouper». Einziger kleiner Wermutstropfen: Ausgerechnet mein Alltime-Favorite, «The Name Of The Game», ist für meinen Geschmack dann doch etwas gar banal-rappig ausgefallen. Dafür hat mich der Bonus-Track mit Benny am Flügel zu Tränen gerührt...
Alles in allem eine mehr als würdige Referenz an die während ihrer aktiven Zeit völlig zu Unrecht belächelten und unterschätzten vier Pop-Genies, deren Musik zwar nach wie vor unerreicht und zeitlos bleibt - aber ganz offensichtlich noch immer eine derart geballte Kraft ausstrahlt, um kreative Köpfe wie Nils Landgren zu Höchstleistungen anzutreiben. AAA+++!