Es gibt nur wenige Lehrbücher zur fortgeschrittenen Funktionentheorie und zu komplexen Singularitäten. Entsprechend groß waren die Erwartungen an das Buch.
Leider werden sie enttäuscht - nicht weil es an Stoff mangelt, sondern weil das Buch einen etwas lieblosen Eindruck macht. Es wird viel und scheinbar unmotiviert zwischen verschiedenen Aspekten hin- und hergesprungen, so daß ein 'roter Faden' nur schwer erkennbar wird. Begriffe werden teilweise unter Verwendung vieler umständlicher Definitionen aber ohne weitere Erläuterungen eingeführt. Wie schon in der Rezension von 'Wissenschaft Online' genannt, ist die Numerierung der Definitionen und Sätze weitgehend unnütz und verstärkt das Gefühl, daß das Buch vor der Veröffentlichung nicht durchgelesen wurde.
Angesichts des geringen Umfangs des Buches ist es außerdem verwunderlich, daß die Grundbegriffe der Theorie der Mannigfaltigkeiten und eine Zusammenfassung von Begriffen und Ergebnissen aus der Differentialtopologie ihren Platz finden. Falls der Leser sich mit diesen Themengebieten nicht vertraut ist, wird die relativ kurze Abhandlung ohnehin nicht ausreichen. Diese Abschnitte würden, in einem Anhang ausgelagert, weniger die Entwicklung der Theorie der komplexen Singularitäten stören oder könnten gar durch Verweise auf die Literatur abgegolten werden. Auf den so eingesparten Seiten könnten Beispiele, Motivationen, Aufgaben und Ausblicken Platz finden und ein fruchtbarer Teil des Buches werden.