"Funeral in Berlin", so der inhaltlich besser passende Originaltitel des Films, verknüpft in allen Punkten höchst gekonnt die damalige deutsch-deutsche Teilungsrealität mit einer spannenden Agentengeschichte im Stil der klassischen englischen Krimis der 60er Jahre. Diese stehen für eine dichte Inszenierung, intelligente Stories und für eine Spannung, die nicht in Explosionen besteht, sondern in filmischen Kabinettstückchen. Das "Finale in Berlin" ist mit dem ersten Harry-Palmer-Film "The Ipcress File" optisch nicht zu vergleichen, führt diesen aber doch ganz klasse passend weiter. War der Gehirnwäsche- und Konditionierungsplot bei Ipcress noch sehr fantastisch, ist das Berliner Thema hart realistisch. So, wie sich eine Stirn auf einem Schreibtisch anfühlt... Aber der Reihe nach. So mögen wir Harry: Nach undurchsichtigen Schiebergeschäften nach dem Krieg zum Dienst beim britischen Geheimdienst zwangsverpflichet, hat er auch im 2. Film der Reihe den Respekt vor seinem Chef (nach wie vor Col. Ross) nicht gelernt und geht seinen Agentengeschäften weiter unterhaltsam widerwillig nach - die Tage bis zur Dienstentlassung zählend. Nach wie vor mag Harry Mädchen, Musik und gutes Essen ("...but I like Birds best"). Der Film kommt mit einem unfassbar verzweigten Plot daher, der heutige jüngere Zuschauener vollkommen überfordern dürfte. Das ist nicht böse gemeint; schon in den 60er Jahren wird es nicht einfach gewesen sein, der Vernetzung von Miederwarenhändlern mit Altnazis, israelischen Geheimdienstlern, aliierten Agenten und "Schweizer Judenkonten" folgen zu können. Aus heutiger Sicht ist der Film mehrfach historisch, auch wegen des Mauerfalls und dem Ende vom Flugfeld Tempelhof (in ein paar Wochen). Die damals bestimmt atemberaubende Realitätsnähe - es geht (u.a.) um DDR-Fluchthilfe und um die prominenten West-Meisterfluchthelfer (die das damals übrigens hauptberuflich machten) wird heute den wenigsten klar sein. Auch die Rolle des Mossad, dessen Ruf als härtester Geheimdienst sich in den 50er und 60er Jahren manifestierte, kann nicht vorausgesetzt werden (Mossad suchte alte Nazis und erledigte sie - das ist die Realität, das greift der Film auf). Die DVD selbst ist, was die technische Umsetzung betrifft, gut gelungen: Bild und Ton sind sehr schön übernommen worden, mit Boni siehts nicht gut aus (daran hat damals auch niemand gedacht...). Mit der ebenso liebevollen wie professionellen Bearbeitung des ersten Palmer-Films durch (die bestimmt freundlichen Leute von und Gruss an) Koch-Media ist das "Finale in Berlin"-Release unter Noname-Label leider nicht zu vergleichen (für den Film gibts 5 Punkte, wegen der DVD-Umsetzung 4). Aber wir wollen ja Harry Palmer sehen und formulieren es daher im Sinne Harrys: Hier lenken weder ein gut gemachtes Cover noch ein schönes Menü vom eigentlichen Film ab... Der ist prima...