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Produktinformation
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Eine Weile geht das gut, bis -- ja: bis die braune Vergangenheit in Gestalt einiger Neonazis und Ausländerfeinde in die Gegenwart hinüberschwappt. Und als dann auch noch Bahn-Reformen den Arbeitsplatz eines Kollegen bedrohen, erkennt Neff, dass man "manchmal auch zuschlagen" muss. Bis dahin aber ist viel geruhsame Erzählzeit verflossen, die den liebenswerten Helden mit allerlei Lebensschicksalen und Handlungssträngen (darunter auch kriminalistischen) konfrontiert: "An jeder Fundsache hängt etwas", heißt es im Roman, "du glaubst nicht, was da manchmal zum Vorschein kommt." Beizeiten entwickelt Neff sogar ganz eigenwillige Methoden, um rechtmäßige von unrechtmäßigen Besitzern zu scheiden. So lässt er eine Aktrice aus dem verlorenen Textbuch rezitieren. Und als ein Mann behauptet, jener Messerwerfer zu sein, dem das gefundene Wurfset aus Toledo im Regal gehöre, stellt Neff sich kurzerhand an die Tür und lässt den Artisten seine Kunst beweisen. An solchen zweischneidig-komischen Stellen (immerhin droht dem Erprober bei Falschaussage akuter Daseinsverlust) ist Lenz' neuer Roman vollkommen geglückt.
So erzählt Lenz vom Leid des Verlierens, aber auch vom beglückenden "Mysterium des Wiederfindens" in einer hektischen Gesellschaft, in der das Fundbüro (zumindest hin und wieder) als insularer Ruhepol der Glückseeligen erscheint. Auch wenn sich wohl niemand in dem bisweilen leider etwas langatmigen Schmöker und seiner einfachen Sprache verlieren wird, so gibt es doch so manches literarisch wertvolle Kleinod im skurrilen Fundsachen-Repertoire des Autors zu entdecken. Wer Muße hat und auf der Suche ist nach gut erzählter Literatur ohne komplexe Schnörkel, der wird hier eine ganze Menge davon wiederfinden. --Thomas Köster
Henry Neff verspürt trotz seiner jugendlichen vierundzwanzig Jahre keine Lust, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen. Attraktive Angebote schlägt er aus und sucht stattdessen Unterschlupf im Fundbüro eines Hauptbahnhofs. äMir genügtüs, da zu bleiben, wo ich bin, ist sein Motto, und schon bald gewinnt er Gefallen an seinem neuen Arbeitsplatz, der reich an Kuriositäten und absonderlichen Vorkommnissen ist. Jeder Tag beschert ihm Begegnungen mit Menschen, die die unglaublichsten Dinge verlieren und liegen lassen. Mal vermisst ein Messerwerfer sein Handwerkszeug, mal tauchen im Zug zurückgelassene Liegestühle auf, und ein andermal wendet sich eine Schauspielerin hilfesuchend an Henry, weil sie ihr Textbuch nicht mehr findet. Um den äBesitznachweis zu führen, fordert Henry sie mit dem ihm eigenen Charme auf, Passagen aus dem Theaterstück im Fundbüro zu rezitieren. Siegfried Lenzü warmherziger Humor lässt die farbige Szenerie eines unvergleichlichen Schauplatzes vor die Leser treten - grundiert von einer zarten Symbolik des Verlierens und (Wieder-) Findens. Als Henrys Freund, der baschkirische Mathematiker Fedor Lagutin, dann aber von skrupellosen Gewalttätern bedroht wird und die Reformen der Bundesbahn den Arbeitsplatz eines Kollegen gefährden, muss Henry einsehen, dass sein Fundbüro keine Oase der Seligen ist. Er ergreift Partei und erkennt, dass das Leben mitunter dazu zwingt, sich einzumischen. äFundbüro ist ein einnehmender, wunderbar erzählter Roman voll menschlicher Anteilnahme und liebenswertem Witz.
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Ein Schlüsselsatz dieses Buches:
das Buch kann gelesen werden, einfach so weggelesen werden. Dann wird mancher sich an der Sprache oder dem Protagonisten stören, die beide so nicht in unsere schnellebige Welt zu passen scheinen. Aber gelesen werden kann es: zügig und ohne Anstrengung.
Es kann jedoch auch genau gelesen werden: aufmerksam und den gestellten Fragen nachsinnend:
Weshalb wirkt Henry Neff, der mit seiner beruflichen Zukunft im Reinen zu sein scheint, der nicht nach Aufstieg und mehr strebt, der seine Zufriedenheit in anderen Bereichen findet, so weltfremd.
Warum preist ein Unternehmen wie die Bahn laufend Sonderreisen mit Rabatten an und sieht sich gleichzeitig genötigt, Personalreformen durchzuführen, die in Arbeitslosigkeit enden. Und was bedeutet dies für Betroffene?
Wie kommt es, daß Worte verletzender als Gewalttaten sein können und doch die Worttäter an unseren Nachbartischen sitzen, während die Gewalttäter geächtet sind?
Das Buch stellt noch viel mehr Fragen, es stellt Fragen nach Werten, Verantwortung und Gleichgültigkeit. Es ist ein sehr aktuelles Buch und ein Buch, das keine Antworten liefert, sondern Anregungen zu beliebiger Verfügbarkeit stellt.
Und wer will, kann nachdenken bis zur Schwindligkeit: über den Zusammenhang zwischen „Geiz ist geil" und der Arbeitslosigkeit Ihres Nachbarn z.B..
Wie gesagt, es kann nachgedacht werden bis zur Schwindligkeit. Dies ist Schwäche und Stärke dieses Buches zugleich, denn es steht zu fürchten, daß in dieser geistfernen Zeit immer gleich die Lösung oder doch zumindest ein Lösungsvorschlag mitgeliefert werden muß - der Schleier fällt jedoch nur durch eigenes Nachdenken von unseren Augen.
Wann spielt die Geschichte, die Lenz erzählt? In den 60ern, den 70ern? Das ganze setting scheint ein wenig angestaubt, vielleicht ist das auch Absicht, aber dann wirken aktuelle "Schnipsel" wie ICE, Politiker, die Probleme der EU-Osterweiterung besprechen, oder der Personalabbau bei der Bahn nur aufgesetzt, irgendwie unglaubhaft. Verglichen mit Lenz' anderen Werken ist der literarische Wert der Sprache nicht vorhanden, vieles klingt einfach zu schlicht, banal und hat wenig Aussagekraft; die Sprachgewalt ist Lenz völlig abhanden gekommen.
Keiner der Charaktere hat mich überzeugt: sie sind einfach langweilig. Am besten gefiel mir noch der alte Vater von Bußmann, der, 90-jährig, von seiner Zeit als Lokomotivführer auf der Transsib träumt, und seltsamerweise ist die spannendste Stelle des Buches die Beschreibung eines irischen Filmes, den sich Henry und Paula im Kino anschauen. Aus DIESEN Charakteren hätte Lenz ein Buch machen sollen!
Schließlich die Aussage: Man kann nicht nur ein Leben ohne Antrieb führen, sich treiben lassen, ohne irgendwann einmal einzusehen, dass man sich für gewisse Dinge einsetzen muss. Schön. Aber es wirkt alles so konstruiert, bis Henry das einsieht, und richtig platt wirkt die Szene, als er den Briefträger verteidigt. Und derjenige, der Henry zu dieser Einsicht gebracht hat, verschwindet so mir nichts dir nichts wieder aus dem Erzählstrom. Da hätte man zum Thema Fremdenhass aber mehr draus machen können. Tut mir leid, aber um Lenz kennenzulernen taugt dieses Buch nicht. Man halte sich an die oben erwähnten Meisterwerke.
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