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Es ist nicht einfach, selbst wenn man wachsam und aufmerksam liest, den kompletten Inhalt und die inhaltliche Fülle komplett wahr- und aufzunehmen. Das Buch verlangt eine gute Reflexionsfähigkeit.
Schleichtert beschreibt verschiedenste Argumentations-Typen, von historisch-genetischen bis hin zum Quoque-Argument. Dies ist inhaltlich anspruchsvoll.
Insgesamt erfüllt der Autor allerdings die Erwartungen des Titels hervorragend. Es schadet nicht, das Buch auch ein zweites Mal zu lesen - im Gegenteil. Viele Kleinigkeiten, die einem beim ersten Mal gar nicht unbedingt aufgefallen sind, werden einem so bewusster und helfen bei der eigenen Argumentation (in Diskussionen) - ob nun mit "Fundamentalisten" oder auch jedem anderen Diskussionspartner.
Zunächst zeigt Schleichert auf, wie die klassische Argumentationslehre die Logik der Argumente prüft und auf eine gemeinsame Basis von Werten und Prinzipien zurückführt. Dieser "kleinste gemeinsame Nenner" zweier Diskutanten ist der Punkt, wo ein Kompromiss effektiv ansetzen kann. Die Problematik bei der Diskussion mit Fundamentalisten ist nun, dass keine gemeinsame Basis existiert, denn dann ist keine befriedigende Lösung möglich. Man kann eben mit einem Strenggläubigen keine Einigung in der Frage finden, welches der "wahre Gott" ist. Aus der Argumentationslehre ergibt sich, dass Kritik und Kompromisse ganz anders, viel vorsichtiger angesetzt werden müssen, und vor allen Dingen sehr viel langfristiger. Es wird in Generationen gerechnet (!).
Um nicht mit aktuellen Ideologien zu kollidieren, zeigt Schleichert die Charakteristika fanatischer Argumentationen und die langwierigen Prozesse zu Veränderungen an Hand der mittelalterlichen Inquisition und Ketzerverbrennung durch die katholische Kirche auf. Er zitiert ausführlich radikale Theoretiker wie Calvin und die oft sehr subtile Kritik eines Voltaire. Diese tiefgehende Recherche ist einfach genial! Den Transfer zu aktuellen Fanatismen darf man selbst machen, mittlerweile kämpfen ja auch westliche Großmächte "im Auftrag Gottes" und wollen mit Krieg Frieden und Freiheit bringen. Ein brillantes und wichtiges Buch in einer Zeit, in der Fanatismus zunehmend unsere Welt bestimmt.
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