Mit dem leuchtenden Joker als Eye-Catcher fällt der Titel 'Fummelbunker' sofort ins Auge.
Wobei der Leser sich unter dem Titel sicherlich etwas erotischeres vorstellt, als den Namen für ein Casino.
Im zweiten Fall der Versicherungsdetektivin Esther Roloff führen sie die Ermittlungen in das Spielcasino 'Fummelbunker'. Ihr Bruder Olaf hat Esther beauftragt nach seinem Arbeitskollegen Boris Bäcker zu suchen, der seit einigen Tagen spurlos verschwunden ist. Ihr einziger Anhaltspunkt ist das Casino, in dem sich der Vermisste beinahe täglich zu Recherchezwecken für einen Enthüllungsartikel aufgehalten haben soll. Während ihrer eigenen Ermittlungen gerät sie in tödliche Gefahr, denn mit Geldwäschern ist nicht zu Spaßen, wie auch Boris Bäcker feststellen musste.
Wie auch schon im ersten Fall kommt der Leser sehr schnell in den neuen Fall hinein. Wer Esther Roloff aus dem ersten Band nicht kennt, wird durch die bildhaften Beschreibungen schon bald ein lebendiges Bild der chaotischen Versicherungsdetektivin und ihrem heißgeliebten Twingo erhalten. Für Fans dieser Reihe wird es jedoch nicht langweilig, denn die Beschreibungen frischen gekonnt den ersten Fall wieder auf. Dies ist sehr wichtig, da Sonja Ullrich den zweiten Fall direkt auf den ersten Roman aufbaut. Neben der Protagonistin trifft der Leser auf viele bekannte Gesicht, wie ihren Chef Metin, die verschlafene Azubine, ihren Bruder, aber auch den undurchsichtigen Gregor. Zwar werden diese Personen beschrieben, aber man merkt deutlich, dass der erste Band vorausgesetzt ist. Viele Informationen beziehen sich auf den ersten Fall und können so von neuen Lesern nicht unbedingt verstanden werden. Dies gilt insbesondere für die Leichen und dem rechtsorientierten Gregor. Nichtsdestotrotz gilt, auch Quereinsteiger werden einen amüsanten Krimi vorfinden, der sie fesseln wird. Durch neue Weiterentwicklungen und Hintergrundinformationen der einzelnen Charaktere können sie sich ohne Probleme ein eigenes Bild machen.
Die Geschichte, die in der Ich-Perspektive aus Sicht von Esther Roloff, erzählt wird, ist eine gelungene Mischung aus Spannung und Humor. Sonja Ullrich setzt bei diesem Fall ganz auf die Thematik der 'Spielsucht'. Wobei sie nicht nur auf Spielschulden, Schuldscheine, sondern auch auf Geldwäsche eingeht. Anfänglich mag sich dies noch etwas zäh lesen, da einfach zu viele Handlungen zeitgleich verlaufen. Das liegt daran, dass die Autorin nicht nur eine Ermittlung einbaut, sondern auch noch einen kleinen Auftrag von Metin und die Recherche bezüglich Gregor einbezieht. Nach und nach verbinden sich diese Fälle jedoch mehr oder weniger miteinander, und je weiter Esther ermittelt, desto spannender wird es. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem auch der Leser wissen möchte, was mit Boris Bäcker passiert ist. Das typische Mitraten beginnt. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Esther selbst in den Strudel der Casino-Machenschaften gerät, besticht dieser Krimi aus Action und Spannung pur. Konnte man vorher das Buch noch für einige Stunden aus der Hand legen, ist es jetzt nicht mehr möglich. Wie auch im ersten Band ist der Schluss mitreißend, fesselnd und schließt die Geschichte in sich ab. Trotzdem ist es durch einige Aspekte offen gehalten, dass ein dritter Fall folgen kann.
Der Stil gefällt mir wie im ersten Fall sehr gut. Er ist illustrativ, erfrischend und packend. Emotionen und Situationen lassen sich hervorragend nachvollziehen. Trotz bildhaften Stil, ist der Satzbau nicht durch Unmengen von Adjektiven in die Länge gezogen worden.
Wer gerne Krimis liest und dabei eine gewisse Portion Humor, skurrile und chaotische Charaktere bevorzugt, kann mit dem zweiten Fall um Esther Roloff nichts verkehrt machen. Ich persönlich empfehle jedoch den Einstieg bei Band eins.
===Bewertung===
Trotz eines irreführenden Titels kann die Protagonistin in ihrem neuen Fall mit viel Charme und Chaos überzeugen. Eine interessante Thematik, kombiniert mit kleineren Fällen, sorgt für Spannung und Action, die den Leser für einen Abend in den Bann ziehen werden. Für mich fünf Sterne.