Im Grunde sind es zwei Filme in einem. Den ersten bildet die Grundausbildung der Marines im Ausbildungslager. Den Ausbilder spielt Lee Ermey, selbst Ausbilder während des Krieges und hochdekorierter Vietnamveteran. Auch aus anderen Quellen weiß ich mittlerweile, dass die Ausbildung genau so ablief. Als ich den Film mit etwa sechzehn zum ersten Mal sah, wurde mir einige Male schlecht, ohne dass ich zimperlich wäre.
Der zweite Teil befasst sich mit dem Vietnamkrieg an sich und ist fast genauso realistisch. Was ihn so realistisch macht, ist seine Banalität, und die Lockerheit mit der die Soldaten ihn hinnehmen. Das gelangweilte, reizüberflutete Publikum von heute erwartet stundenlanges Gemetzel und tränenreiche Szenen, ansonsten ist ein Kriegfilm unrealistisch. Wer die Grundausbildung gesehen hat, dem wird hoffentlich klar, weshalb Menschen den Krieg aushalten können, weshalb sie zum reinen Raubtier werden, weshalb sie Schmerz ertragen und somit überleben lernen. Dieser Film ist kein moralischer Zeigefinger, sondern eine Dokumentation, höchstens zu schlagen von 'Stalingrad'.
Kurzum, diesen Film muss man gesehen haben. Wer sich Machwerke wie Saving Private Ryan bereits angesehen hat, findet hier hoffentlich auf den Boden der Tatsachen zurück. Krieg ist für den einzelnen Soldaten nicht cool, niemals heroisch, nicht tragisch, nicht grausam, sondern einfach nichts Besonderes. Und gerade das ist die erschütterndste, ernüchterndste Einsicht die dieser Film mit sich bringt.