Anfangs wirkt der Rootsrocker aus Austin wie ein Geisteszwilling von Calvin Russell: die gleiche kehlige Rauheit, die gleichen wüstensandgeschmirgelten Stimmbänder. Doch je weiter man vordringt ins fünfte Album Grahams, desto mehr setzt es sich ab von der puren urigen Kraft wettergegerbter Knorrigkeit. Seine traditionellen Kompositionen stecken in interessanten Arrangements, die das Spektrum des Texasstils erweitern. Natürlich gibt es auch akustischkarge Liebeslieder wie O dearest One", die tief im Wüstenstaub verankert sind. Ein Stück wie Amsterdam" aber glänzt mit streicherfundierter Fluffigkeit und hat sogar einen schmissigen Folkpop-Appeal. Und die Ballade Rosewood" ist schön transparent arrangiert - ein feiner Kontrast zum muskulösen E-Gitarrensound, der sonst das Album prägt. Ein Baum mit tiefen Wurzeln wächst eben auch besonders hoch und gewinnt so einen guten Rundumblick. Für Fans von The Silos, Son Volt - und natürlich Calvin Russell. (mw)