Ich hatte Gelegenheit die Fujifilm Finepix F200, F80 und F300 zu probieren, aber begeistert hatte mich deren Bildqualität nicht besonders: flaue Farben in Provia/Standard, unnatürliche Farben bei Velvia/Vivid, bei abnehmendem Licht stark nachlassende Bildqualität. Da fühlte ich mit mit der Canon S95 deutlich besser aufgehoben, auch wenn hier die Fokussiergeschwindigkeit sehr langsam war und die Kamera zwischen zwei Bildern auch mal 10 Sekunden Pause brauchte (bei RAW+JPG) .
Bei der X10 sieht es so aus, als hätte Fujifilm den Foto-Enthusiasten wirklich zugehört:
+ Kompakt-Kamera mit sehr großem Sensor (2/3"=1/1,5" gegenüber 1/1,7" bei der S95 bzw LX-5 sowie 1/2,33" bei den üblichen Kompakten),
+ sehr lichtstarkes Objektiv - mit 2,8 auch im Telebereich,
+ Schalter für Blitzentriegelung (statt fummeliger Taste)
+ Manueller Zoomring (Drehrichtung wie bei Nikon / entgegengesetzt zu Canon-DSLR)
+ optischer Bildstabilisator (haben sonst nur Nikon, Canon, Panasonic)
Was fehlt:
- die 24mm im Weitwinkel
- Hosentaschenformat (wie die S95)
- eigene Taste für Videos
- GPS (wer's braucht - ich nutze Eye-Fi-SD-Karten mit Geotagging)
- Fokus-Punkt-Anzeige im optischen Sucher
Stärken
- BEREITSCHAFT - unmittelbar einsatzbereit mit kurzem Dreh am Objektivring, wenn der Schnellstartmodusim Menü eingestellt ist. Innerhalb einer halben Sekunde habe ich einschließlich Fokus ein Foto geschossen im Gegensatz zur S95 wo dies etwa 4 Sekunden dauert. (Eine Verkürzung der Akkuaufzeit durch die Schnellstarteinstellung ist mir nicht aufgefallen).
- AUTOFOKUS - sehr schnell und äußerst präzise mit hervorragender Gesichtserkennung, das schnellste, was ich bei einer Kompaktkamera bisher gesehen haben und nur eine Spur langsamer als meine Spiegelreflex. Die S95 fokussiert etwa viermal so lange und auf Automatik/Gesichtserkennung konnte ich mich nicht verlassen, weshalb ich den AF auf Mitte gelegt habe. Bei der Fuji reicht es VarioAF mit Gesichtserkennung einzustellen und die Kamera fokussiert wirklich so wie sie soll: Man fokussiert mit dem mittleren Messfeld und wählt dann den Bildausschnitt, wenn Gesichter im Bild sind, dann werden diese automatisch erkannt und auf diese scharf gestellt. Hervorragend für Schnappschüsse aus der Hüfte! Bei Fotos von speilenden Kindern merkt man die leichte Auslöseverzögerung dann doch: Braucht man bei der DSLR nur im richtigen Moment den Auslöser drücken, muss man den passenden Augenblick bei der X10 den Bruchteil einer Sekunde vorwegnehmen, sonst ist der Kopf schon weggedreht.
- "Super Intelligenter BLITZ" funktioniert hervorragend: die Blitzleistung wird angepasst, es gibt nicht mehr die typischen überblitzten Kompaktkamera-Schnappschüsse. Nur der Weißabgleich liegt leicht daneben, leicht ins gelbliche verschoben. Bei der S95 war Blitzen (außer Aufhellblitzen in heller Umgebung) Glückssache. Außerdem war bei der S95 die Zuschaltung des Blitzes mit mehrfachem Drücken der Blitztaste extrem umständlich.
BILDQUALITÄT - hervorragend für eine Kompaktkamera. Im direkten Vergleich mit der S95 die schöneren Farben, deutlich bessere Dynamik, etwas bessere Detaildarstellung, weniger Abfall der Auflösung in den Bildecken, nahezu keine chromatischen Aberrationen. ISO 800 geht noch sehr gut, vergleichbar mit ISO 400 bei der S95. Bei ausreichend Licht ist auch ISO 1600 noch akzeptabel.
Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es sich um eine Kompaktkamera mit 2/3' Sensor handelt. Deshalb wundert es mich, dass in Fotos, die ich mit der Nikon D7000 + 16-85 VR 3.5-5.6 im Vergleich zur X10 aufgenommen habe, die X10-Bilder von der Dynamik vergleichbar waren (ja, im HR-Modus!) und mir die höheren ISOs im Bereich 400 - 1600 bei schlechtem Licht aus der X10 besser gefielen: nicht weniger, aber gefälligeres Rauschen.
- EXR-AUTO - der beste Automatikmodus, den ich bei einer Kompaktkamera erlebt habe. Zuverlässig wählt die Kamera den passenden Szenenmodus, der Autofokus sitzt präzise von allein. So kann man die Kamera jedem Laien in die Hand drücken, den Auslöseknopf zeigen, den Rest übernimmt zuverlässig die Kamera.
- DISPLAY - sehr gut, vergleichbar mit dem hervorragenden Display der S95 (X10 etwas kleiner bei gleicher Auflösung), in der Sonne ist das Display der X10 besser lesbar, bei normalem Umgebungslicht ist das Display der S95 etwas heller.
VIDEO: funktioniert zuverlässig, bedingt durch den CMOS-Sesor gegenüber dem CCD-Sensor in der S95 fast keine Schlieren beim Schwenken. Bei genauem Hinschauen leichte Kompressionsartefakte um sich bewegende Objekte (aber nicht wirklich störend).
=BESONDERHEITEN/TIPPS=
- BELICHTUNG: die Canon S95 belichtet bekanntlich reichlich, ca. 1/3 - 2/3 Blendstufen über, was mehr Zeichnung in den Schattenbereichen bringt, aber die hellen Partien auswäscht. Im Gegensatz dazu belichtet die X10 eher knapp, dadurch behalten die hellen Partien ihre Struktur. Eigentlich ist das der bessere Zugang, da man in der Bildbearbeitung besser Schatten aufhellen kann als umgekehrt. Allerdings sehen die JPGs aus der X10 unbearbeitet etwas dunkel aus. Ich habe deshalb die Belichtungskorrektur dauerhaft auf +1/3 stehen.
- ISO: wer die Finepix-Kameras mit EXR-Sensor kennt, der weiss um Fuji's Besonderheit, dass für jeden Modus (PASM) eine eigene ISO-Einstellung vorgenommen werden kann. So kann man mit einem kurzen Dreh am Wählrad auch die ISO ändern. So habe ich die ISO 100 auf P gelegt für gute Lichtverhältnisse. Auf A ist ISO Auto800 eingestellt mit weit offener Blende für schlechte Lichtverhältnisse. Unter S die ISO1600 und Zeitvorgabe 1/125s für schnelle Bewegungen. Alle anderen Einstellungen wie etwa Filmsimulation, Rauschunterdrückung, Farbsättigung werden für alle Modi gleichzeitig eingestellt.
FILM-SIMULATION / FARBSÄTTIGUNG: Velvia macht zwar unglaublich knackige Farben, aber hart an der Grenze zum Künstlichen und außerdem auf Kosten der Zeichnung in Schattenbereichen. Definitiv nichts für Portraits. Eventuell für Landschaft, ideal für Leuchtreklame oder Stilleben mit knalligen Farben. Für kräftige Farben im Alltagsgebrauch ist Astia der bessere Kompromiss, am besten lässt man Provia/Standard stehen und erhöht für sattere Farben die Einstellung "Farbe" auf "hoch". Zum Üben gibt es die Filmsimulations-Bildreihe. Zugang über die Taste "Drive".
SCHÄRFE: auf Standard sind Konturen eher weichgezeichnet, für Portaits sicherlich gut, ich bevorzuge allerdings knackige Fotos und habe die Schärfe auf 'hart' eingestellt. Halos habe ich dadurch bisher nicht festgestellt.
RAUSCHUNTERDRÜCKUNG: auf kleinste Stufe eingestellt sieht man zwar etwas mehr Rauschen, aber dieses sieht sehr natürlich aus - sehr ähnlich Kleibildfilm mit hoher ISO. Vor allem sehr schön für grobkörnige Schwarz-Weiss-Aufnahmen.
- SUPER-MAKRO-Aufnahmen gelingen am besten im A (Blendvorwahl-) Modus mit Blende 5,6 - 8,0; darunter ist Schärfentiefe zu schmal, darüber nimmt diffraktionsbedingt die Bildschärfe ab. (Brennweite muss zwingend auf 28 stehen.)
RAW - ist möglich, allerdings gibt es wohl (außer dem mitgelieferten - angeblich sehr schlechten) derzeit kein Programm, das die Bilder verarbeiten kann. Ich habe es mit Aperture auf dem Mac versucht, geht nicht. Man kann die RAWs in der Kamera entwickeln, aber sehr, sehr umständlich. Man kann vor der Aufnahme die RAW-Taste drücken, dann wird das folgende Bild in JPG+RAW aufgenommen, man kann auch in den Einstellungen RAW+JPG einstellen, dann bewirkt die Taste RAW, dass das nächste Bild nur als JPG aufgenommen wird.
BILDWIEDERGABE - wer viel fotografiert, muss auch viel aussortieren. Das mache ich gerne in der Kamera. Dafür gibt es im Wiedergabe-Modus die tolle Funktion 'Löschen - Bild': wenn man diese auswählt, kann man durch die Fotos zappen und unbrauchbare Aufnhemen mit einem einfachen Druck auf die Menu/oK-Taste löschen - flotter gehts nicht, leider funktioniert in diesem Modus die Vergrößerung nicht. Eine weitere tolle Idee: bei der Bildwiedergabe kann man das hintere Wahlrad drücken und erhält die maximale Vergrößerung auf den Fokus-Punkt. Über einen Dreh an dem darunterliegenden Rad kann man von Foto zu Foto springen in der Vergrößerugs-Ansicht.
- OBJEKTIVDECDKEL - fühlt sich gut an, ist aber ziemlich fummelig. Die X10 hat ein Filtergewinde von 40.3mm, angeblich soll ein Objektivdeckel im Format 40.5mm passen (gibt es hier bei Amazon). Ich habe hier bei Amazon einen Dörr 40.5 UV-Filter Slim als Objektivschutz bestellt. Lässt sich etwa bis zur Hälfte festdrehen und sitzt dann gut fest. Trägt nur leicht auf und macht die Kamera noch schneller startbereit. Es ist keine Vignettierung feststellbar.
DISP-Taste lange gedrückt halten = Ruhemodus; keine Töne, kein Auslöseton, kein Blitz, kein Fokus-Hilfslicht. Man kann so wirklich diskret Fotos machen.
FN-Taste neben Auslöser: kurz drücken zum schnellen Einstellen der zugewiesenen Funktion. Lange drücken, und man kann schnell die Funktion verändern.
DYNAMIKUMFANG / BILDRAUSCHEN / HOHES ISO: ein Vorrezensent hat bemängelt, dass die X10 in der ISO-Automatik sehr schnell hohe ISO-Werte wählt. Ich vermute, dass hier die Dynamik auf Auto steht.
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