Eigentlich hatte ich mit der Fujifilm XS-1 geliebäugelt, aber nachdem Fuji das Problem mit dem baugleichen 2/3 Zoll-Sensor in der X10 trotz Firmware-Update nicht in den Griff bekam (häßliche weiße Scheiben bei sehr hellen Lichtspitzen im Motiv, z.B. Lampen bei Nachtaufnahmen oder Sonnenreflexionen bei spiegelndem Material) habe ich mich für die, zudem 250 Euro billigere, kleine Schwester entschieden.
Nach ein paar hundert Testbildern bei verschiedenen Licht- und Motivsituationen bin ich wirklich begeistert von dieser Kamera. Natürlich hat sie auch ein paar kleine Schwächen, auf die ich unten noch eingehen werde, aber der Gesamteindruck ist hervorragend und die Stärken überwiegen deutlich.
Was für mich echte Stärken sind:
- die wichtigsten Funktionen über separate Tasten direkt anwählbar, z.B. ISO, AE-Modus, AF-Modus, Weißabgleich, Drehrad für Blende/zeit bei manuellen Modi
- Drehzoom am Objektiv (läuft allerdings im mittleren Bereich nicht ganz soft, ist aber allenfalls bei Videos wegen Verwackeln ein Problem)
- Drehring zur manuellen Scharfstellung am Objektiv (funktioniert super zusammen mit automatischer Aktivierung einer Lupe und einfacher vorfokussierung über AE-Lock)
- Sehr gute Bildqualität noch bis einschl. ASA 1600 bei Reduktion der Auflösung auf 8 Megapixel. Das ist für mich eine herausragende Qualität der Kamera (wegen der extrem schlechten Bilder schon ab 400 ASA hatte ich meine Lumix FZ 100 wieder verkauft). Bei 8MP legt die HS30 immer zwei Bildpunkte im Sensor zusammen. Damit liegt die Auflösung im Verhältnis zur Sensorgröße etwa im gleichen Verhältnis wie beim größeren Sensor der XS-1.
- elektronische Schärfentiefereduktion: Das ist wirklich eine super Idee und funktioniert auch in gewissem Rahmen (man kann keine Wunder erwarten). Die Kamera macht mehrere Bilder mit verschiedener Fokussierung und reduziert die Schärfe im Hintergrund. Damit verliert ein für mich sonst wichtiges Argument für eine DSLR zum Teil sein Gewicht.
- für meine Ansprüche sehr gute Bildqualität über den ganzen Zoombereich hinweg, ohne besonders auffällige Verzeichnung. Sehr guter Bildstabilisator zeigt sich bei Freihand im starken Telebereich. Ich bin allerdings auch keine Pixel-Freak und schaue nicht, ob auch alle Ecken gleich scharf sind, was man daran sieht, dass mir sehr gute 8 MP völlig ausreichen.
- Ausreichend schnelle Serienbilder mit 8/s
- Bildschirm geht automatisch aus, wenn man den Sucher ans Auge nimmt (auch ganz abschaltbar)
- Blitz springt nicht automatisch auf (solche Eigenmächtigkeiten der Kamera hasse ich nämlich)
- Schwenkbares Display (bei DSLR erst über Einsteigerklasse)
Schön, aber nutze ich nicht so oft, bzw. bisher noch nicht:
- Sehr gute Videofunktion (full HD) mit Stereoton. Kein Ruckeln im Bild beim Schwenken. Kein Rauschen o.ä., Autofokus leicht hörbar, aber für mich nicht störend.
- man kann 3 D Fotos machen (noch nicht ausprobiert, wegen fehlendem Abspielgerät)
- Serienbilder mit automatischer Auswahl um den Auslösezeitpunkt herum
- 360 Grad Panorama (hat allerdings reduzierte Auflösung der Bildhöhe, ist aber auch bei anderen Kameras die ich kenne genauso)
- Dynamikumfang regulierbar (das muss ich erst noch ein bisschen ausprobieren)
Schwächen:
- Eingebauter Blitz ist zu schwach auf der Brust. Die Kamera versucht in der Automatik alles gleichmäßig auszuleuchten, dafür reicht der eingebaute Blitz aber nicht aus. Kamera regelt dann im Automatik schnell die ASA sehr hoch und versucht das Umgebungslicht mit zu nutzen, was bei mir zu Bewegungsunschärfen führte. Bildqualität mit eingebautem Blitz kann mich im Automatikmodus nicht überzeugen. Wenn man an den Einstellungen ein bisschen rumspielt, dann gehts aber (zulasten der gleichmäßigen Ausleuchtung). Habe mir auch den LZ 20 Blitz von Fuji gekauft
EF-20 - Mittenkontakt - 20 (m). Damit sehr schöne Bildqualität. Prima kleines und handliches Blitzgerät!
- Der Sucher ist nicht so toll, wie man nach der Pixelzahl vermuten könnte. Liegt aber im Rahmen der elektronischen Sucher die ich kenne. Hatte mir wegen der vielen Bildpunkte nur mehr erwartet.
- Der Autofokus funktioniert sehr gut (auch bei schlechtem Licht), allerdings nicht super-schnell. Wenn man das z.B. mit einer Canon EOS 1100 mit Kitobjektiv vergleicht, dann liegen da schon noch Welten dazwischen. Die Geschwindigkeit entspricht aber dem, was ich von guten Bridgekameras so kenne (z.B. Lumix FZ 100).
- Fremdblitze, inbesondere Metz nicht anschließbar. Bin wie gesagt mit dem kleinen Fuji-Zusatzblitz aber zufrieden (gibt noch ein zweites LZ 42 Gerät von Fuji)
Ich stelle bewußt keine Bilder ein, denn die Bildqualität ist für die Auflösung, die man bei den eingestellten Bildern sehen könnte, wirklich sehr gut. Da hängt die Qualität tatsächlich nur noch vom Fotografen ab :-).
Fazit: wenn man mit sehr guten 8 Megapixeln bei eingeschränkten Lichtverhältnissen leben kann, und keinen Wert auf superschnellen Autofokus auf DSLR Niveau legt, dann bekommt man wirklich eine eierlegende Wollmilchsau. Meine Hochachtung für dieses technische Meisterwerk.
Nachtrag: was ich nicht explizit erwähnt habe, aber vielleicht doch der eine oder andere Leser als Info vermisst:
Die Kamera macht natürlich bei hellen Lichtverhältnissen hervorragende Fotos mit den vollen 16 Megapixel. Bloss, das können viele andere auch. Bei Dämmerung, Schatten oder sonst schwierigem Licht trennt sich die Spreu vom Weizen (und da bleibt in dieser Kameraklasse nicht viel Weizen übrig). Und mit der sehr intelligenten EXR Automatik kann man auch als Anfänger prima Bilder machen, sogar bei schwachem Licht, Gegenlicht oder starken Konstrasten. Auch für Kinderfotos ist die Kamera wegen des riesigen Zoombereichs mit gutem Bildstabilisator + den schnellen Serienbildern eine hervorragende Wahl. Ich denke, auf dem Bridgekamerasektor wird man bezüglich Leistung und Funktionen derzeit nichts besseres finden können (und DSLRs haben neben dem Preis noch viele andere Nachteile).