Ich habe mir diese Kamera als Ersatz für die FinePix F30 bestellt, bei der nach etwa 3 Jahren der Einschalttaster nur noch sporadisch reagiert. Sie soll -- als Zweitkamera neben einer auf Fototouren verwendeten "großen" Kamera -- der Begleiter für den Alltag und für aus fotografischer Sicht weniger wichtige Ausflüge sein.
Erfreulich an der FinePix F30 für den Hobbyfotograf war, dass sie (trotzdem sie eine Kompaktkamera von etwa der Größe der F80 EXR ist) nebst etlicher Motivprogramme auch die Zeitautomatik und die Blendenautomatik unterstützt. Man kann also eine Belichtungszeit vorgeben und das Gerät sucht die passende Blende selber, oder aber umgekehrt. Das ist zur Beeinflussung von Schärfentiefe bzw. Verhinderung von Bewegungsunschärfe sinnvoll. Wenn ich z.B. einen schnellfahrenden Zug fotografieren will, gebe ich eine kurze Belichtungszerit vor. Bei ruhenden Motiven, wo ein großer Schärfentiefebereich notwendig ist (insbesondere im Nahbereich), gebe ich eine möglichst kleine Blende (mit großer Zahl,also z.B. Blende 8 oder 11) vor und lasse die Kamera die richtige Belichtungszeit dazu festlegen. Motivprogramme machen zwar im Wesentlichen dasselbe, man kann aber dort die ISO-Empfindlichkeit nicht beeinflussen. Das ist für etwas ambitioniertere Fotografen interessant, um das Bildrauschen so gering wie möglich zu halten.
Die F80 EXR hat einen P-Modus, der die Unterfunktionen "Programmautomatik" und "Blendenautomatik" hat. Die Blendenautomatik macht dasselbe wie die Blendenautomatik de F30 - also man gibt die Blende vor und die Kamera sucht sich die passende Belichtungszeit dazu. Hierbei gibt es aber nur die beiden Extremwerte: Entweder eine ganz große Blende (mit einer kleinen Zahl) und dafür richtig kure B-Zeiten oder aber eine extrem kleine Blende (wie 11 oder 16) und dafür B-Zeiten, die für bewegte Objekte und ISO 100 schon bei Sonne evtl. zu lang sind. Auch bei anderen Modi gewann ich den Eindruck, die F80 EXR kann immer nur mit zwei alternierenden Blendenwerten (etweder weit offene oder weitestmöglich geschlossene Blende) arbeiten. Zwischendinger wie Blende 7,1 (für die F30 kein Problem) sind nicht die Welt der F80 EXR.
Es gibt noch einen komplett manuellen Modius, wo man Blende und B-Zeit komplett selbst festlegen kann. Die Über- oder Unterbelichtung wird dann nur ungefähr anhand eines Balkens angezeigt; auf kurzfristige Änderungen der Lichtverhältnisse muss der User -- logisch im komplett manuellen Modus -- selber reagieren. Für die schnelle Reaktion an einer Eisenbahn-Haupptstrecke, wenn der Zug mit 120 oder mehr km/h kommt und kurzfristig eine Wolke die Sonne verdeckt, ist das eher "suboptimal", da ist eine Automatikfunktion besser geeignet.
Aus diesem Grund war ich schon drauf und dran, die F80 EXR am Tag nach dem Empfang wieder zurück zu schicken. Dann stellte ich aber auf der Homepage von Fujifilm fest, dass alle anderen Kompaktkameras hinsichtlich der Blenden-/Zeitautomatik genau so konzipiert sind wie die F80 EXR. Ein anderes Modell als eines von Fujifilm schied deshalb für mich aus, weil der Hersteller beim Rauschverhalten im höheren ISO-Bereich (ab ISO 400) führend ist, das belegen diverse Tests. Fujifilm verbaut auch in den guten Kompaktkameras teilweise große 1/2-Zoll-CCD-Sensoren, so auch in der F80 EXR. Merke: Je größer der CCD-Sensor, also auf je mehr Fläche sich die Megapixel verteilen, desto weniger Probleme mit Helligkeitsrauschen gibt es später. Die Kompaktkameras der meisten anderen Hersteller (und auch die Einsteigermodelle von Fujifilm) haben nur die kleinen 1/2,3-Zoll-Sensoren. Wenn man hier ein Rauschverhalten wie bei Kameras mit großen Sensoren erzielen möchte, muss man per Software (Firmware) Rauschunterdrückungsverfahren integrieren. Ansonsten sind die Fotos schon ab ISO 400 für den Hobbyfotografen kaum noch akzeptabel. Schaut man zuerst auf die Sensorgröße und möchte dann noch eine Kompaktkamera mit etwa den Abmessungen der F80 EXR haben, bleiben im Dschungel dieses Marktsegmentes kaum noch Alternativen übrig. Man muss ansonsten schon bei den "großen" Kompaktkameras oder bei den DSLRs schauen.
Hat man sich mit den verfügbaren Aufnahmemodi der F80 EXR erst einmal angefreundet, liefert sie durchaus sehr gute Aufnahmen. Der EXR-Modus (hoher Dynamikumfang) ist durchaus merkbar, ich habe es bei Motiven, die teilweise in der Sonne, teilweise im Schatten lagen, ausprobiert. Hier bleibt im Gegensatz zum Normalmodus noch deutliche Himmelszeichnung übrig, ohne dass der im Schatten liegende Bereich stark unterbelichtet wäre.
Dem Hobbyfotograf sei empfohlen, das Moduswahlrad auf P zu stellen (sofern man nicht komplett manuell B-Zeit und Blende einstellen will, wie es bei Nachtaufnamen sinnvoll sein kann), damit Einfluß auf die verwendete ISO-Empfindlichkeit besteht. Beim Verwenden der Motivprogramme will die F80 EXR schon mal auch bei strahlendem Sonenschein auf ISO 400 oder bei Lichtverhältnissen wie auf einem unterirdischen Bahnsteig auf ISO 1.600 gehen. Aber für diese ISO-Zahlen ist das Rauschverhalten der Kamera ausgesprochen gut. Die Aufnahmen sind durchaus noch verwendbar, hier macht sich der große CCD-Sensor deutlich bemerkbar. Wenn man gerade kein Stativ dabei hat und unbedingt eine bestimmte Aufnahme unter schlechten Lichtverhältnissen haben will, weiß man das zu schätzen.
Fazit: Es gibt wohl kaum eine andere Kompaktkamera mit einem derart großen CCD-Sensor und vergleichbaren Eigenschaften wie der F80 EXR. Die fehlende Blenden-/Zeitautomatik wird man, zumindest in Verbindung mit dem 1/2-Zoll-Sensor, kaum bei einem Konkurrenzmodell finden. Wenn es denn eine Kompaktkamera und keine große DSLR sein soll, muss man sich mit der fehlenden Zeitautomatik arrangieren; von den übrigen Eingenschaften her kann ich die F80 EXR durchaus empfehlen. In Szczecin am letzten Wochenende hat sie mir richtig tolle Bilder geliefert und auch an einer Eisenbahn-Hauptstrecke ließen die Fotos flott vorbei fahrender Züge (keine ICEs) nichts zu wünschen übrig -- für Eisenbahnfotografie also auch geeignet.