Die F30 von Fuji ist eine Ausnahmekamera. Fuji hat den Megapixel-Wahnsinn nicht mitgemacht und hat moderate 6 Megapixel auf einem für kompakte Digicams verhältnismäßig großen Sensor untergebracht.
Wie den Vorgänger- und Schwestermodellen gelingt es der F30, bei höheren ISO-Werten gute Ergebnisse abzuliefern. Der ISO-Wert bezeichnet die Lichtempfindlichkeit, also wieviel Licht der Sensor benötigt, um ein Bild zu machen. Wenn nicht genügend Licht da ist, kann man mit einem höheren ISO-Wert trotzdem noch Bilder machen, ohne einen Blitz (ruiniert oft die Lichtstimmung) oder ein Stativ benutzen zu müssen. Während die meisten Konkurrenzmodelle bereits ab ISO 200 aufwärts fürchterlich rauschen, oder das Rauschen aufgrund einer zu starken Rauschunterdrückung durch Matsch ersetzen, kann man bei der F30 bedenkenlos bis ISO 400 gehen. ISO 800 sind ebenfalls noch gut, in manchen Situationen genügt auch ISO 1600 für Ausbelichtungen in normaler Größe (gleichmäßig ausgeleuchtete Motive, da in dunklen Bereichen das Rauschen generell besonders stark ist.), auch wenn hier die Qualität schon merklich nachläßt. Für Notfälle stehen noch ISO 3200 bereit, aber wirklich nur für Notfälle, da die Qualität hier schon sehr deutlich schlechter wird.
Leider sind die Modelle der F-Serie von Fuji bei den Kompakten die einzigen, die das können, mit der F30 als aktuelles Spitzenmodell (das mit Gesichtserkennung leicht verbesserte Nachfolgemodell F31fd kommt im Dezember 2006). Darum wird diese Kamera in den entsprechenden Foren automatisch empfohlen, wenn man Bilder von bewegten Motiven bei wenig Licht machen muß.
Aus diesem Grund muß man leider mit den Nachteilen dieser Kamera leben, welche da sind:
- Fuji baut keinen optischen Bildstabilisator in die Kameras ein. Dadurch wird der ISO-Vorsprung gegenüber der Konkurrenz mit optischen Bildstabilisator bei unbewegten Motiven zum großen Teil wieder verschenkt, was man aber wiederum mit einem Stativ ausgleichen könnte. Aber wer schleppt heute noch ein Stativ mit sich herum?
- Man braucht mehr Eingewöhnungszeit, als bei Modellen von der Konkurrenz (z. B. bei Canon) und muß sich mit der Bedienung der Kamera mehr beschäftigen.
- Man kann nur sehr wenig an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Wenn einem z. B. die fujitypisch kühlere Farbabstimmung nicht gefällt, hat man halt Pech gehabt und muß nachträglich am PC nacharbeiten.
- Keine vollmanuelle Einstellmöglichkeit.
- Wenn man bei Makroaufnahmen sehr nahe rangehen und dabei blitzen will, schattet das Objektiv das Blitzlicht zum Teil ab.
- Starke Farbsäume bei Gegenlicht (purple fringing), z. B. bei den berühmten Ästen im Gegenlicht.
- Man braucht teure XD-Speicherkarten, anstatt der günstigen SD-Karten.
- Kein Durchsichtsucher.
Demgegenüber stehen aber auch große Vorteile:
+ Konkurrenzlose Bildqualität ab ISO 200 (da können nur noch die anderen F-Modelle mithalten und die S6500fd aus gleichem Haus, die allerdings wegen dem großen Zoombereich ein großes Gehäuse hat).
+ Auch bei niedrigen ISO-Werten eine spitzen Bildqualität.
+ Der Akku hält unglaublich lange (500 Bilder und mehr) und hat mich zu Spezial-Akkus bekehrt. Bisher war ich strikt für normale Mignon-Akkus, wegen der leichten Verfügbarkeit.
+ Sehr gutes Display
Fazit: Wenn man hohe ISO-Werte nutzen will, gibt es (abgesehen von digitalen Spiegelreflexkameras) nur wenige Alternativen und die stammen ebenfalls von Fuji und haben daher im großen und ganzen die selben Nachteile. Die F30 ist keine Automatik-Knipse, die man einfach einschaltet und los gehts. Natürlich ginge das, aber dann würde man viel Potential verschenken. Aber das gilt auch für andere Kameras. Sie ist zu groß für die Hosentasche und zu klein, um richtig gut in der Hand zu liegen. Gelegenheitsfotografen, welche nur die Bilder im nächsten Labor auf 10x15 ausbelichten lassen und wenn es dunkler wird einfach blitzen, werden wohl mit einem einsteigerfreundlicheren Konkurrenzmodell mit optischem Bildstabilisator glücklicher werden, z. B. Panasonic FX07, oder Canon A710is.
Trotzdem habe ich den Kauf nie bereut, denn das Fotografieren mit der F30 macht einfach einen riesen Spaß. Allerdings bin ich jemand, der sich ein wenig mit Fotografie auskennt und bereit ist, vor dem ersten Einsatz das Handbuch durchzuarbeiten. Und es kommt auch hier wieder das Hauptargument für die F30, brauchbare hohe ISO-Werte und eine spitzen Bildqualität.
Tips für Anfänger:
- Benutzen Sie den M-Modus. Keine Angst, das "M" steht zwar für "manuell", aber das ist trotzdem eine Vollautomatik. Allerdings mit dem Vorteil, daß man einige wenige Einstellungen vornehmen kann.
- Stellen Sie den ISO-Wert auf Auto(400) und nur in Notfällen höher, wenn das Licht nicht mehr ausreicht und die Verwacklungswarnung auf dem Display erscheint.
- Benutzen Sie die Mehrfeldmessung.
- Scheuen Sie sich nicht, die Motivprogramme zu benutzen. Der Sinn und Zweck erklärt sich normal durch die Bezeichnung. So liefert z. B. das Motivprogramm "Landschaft" wesentlich sattere und natürlichere Farben bei Landschaftsaufnahmen. Aber vergessen Sie nicht, das Motivprogramm wieder zu wechseln, bzw. in den M-Modus zu schalten.
- Lesen Sie das Handbuch