Die folgende Rezension bezieht sich auf die 5x21-Version des Eventum, die Amazon aber nicht in der Datenbank hat.
Es handelt sich um eine reverse-Porro-Konstruktion, bei der die Objektive weiter innen liegen als die Okulare, nicht weiter außen wie bei klassischen Ferngläsern. Im Gegensatz zu Dachkant-Prismen (wo Objektive und Okular auf einer Linie liegen) sind Porro-Gläser zu weit geringeren Kosten zu entwickeln und zu fertigen.
Das bedeutet für den Verbraucher, dass man bei einem geringen Preis nicht gleich misstrauisch werden muss. Der empfohlene Verkaufspreis des Eventum 5.21 liegt bei 79 Euro. Dachkant-Gläser in diesem Preisbereich sind samt und sonders Müll. Porros nicht - und für meins hab ich bei Nordfoto im Ausverkauf sogar nur 45,10 hingelegt. Mit Versand. So viel vorweg: Spätestens zu diesem Preis ist das Eventum ein Schnäppchen, bei dem man bedenkenlos zuschlagen kann.
Fürs Geld bekommt man neben dem Glas noch einen kurzen Tragegurt für um den Hals, eine kaum gepolsterte Kunstleder-Tasche mit Gürtelschlaufe, eine Bedienungsanleitung und zwei miteinander verbundene Kappen für die Okulare. Diese lassen sich mit etwas Übung auch bei umgeklappten Augenmuscheln aufsetzen und lassen sich dank einer Öse am Trageriemen befestigen. Glas, Riemen und Kappen bringen zusammen 199 Gramm auf die Waage.
Kappen für die Objektive gibt es nicht. Das find ich auch nicht weiter tragisch, denn die Frontlinsen sind zum Schutz 10 Millimeter tief im Tubus versenkt, und wenn das Glas bestimmungsgemäß im Täschchen ruht beziehungsweise mit den Linsen nach unten um den am Hals hängt, stauben sie auch nicht ein. Es gibt allerdings auch reverse-Porro-Ferngläser mit per Scharnier direkt angebauten Kappen. Allerdings fand ich bislang keines mit nur 5-facher Vergrößerung, und gerade die ist das entscheidende Plus des Eventum. Doch dazu später mehr.
Das Eventum ist kompakt genug, um es überall mitzunehmen, aber trotz des Tricks mit den umgedrehten Porroprismen etwas voluminöser als viele andere Produkte. Die Größe macht es jedoch eher einfacher zu benutzen. Unten bieten kleine Mulden den Daumen Halt und oben hält man das Glas problemlos mit drei Fingern, , während der kleine Finger dank der weit nach vorn über die Linsen gezogenen Tuben nicht versehentlich ins Sichtfeld gerät. Lediglich die zu weit seitlich angebrachten, griffigen Gumminoppen verraten, dass der Designer das Produkt nicht ausreichend lange selbst benutzt hat, um zu bemerken, dass die Fingerkuppen nicht dort, sondern viel weiter oben auf dem Glas zu liegen kommen. Die Augenmuscheln sind für Normalsichtige ausreichend groß, während Brillenträger sie leicht zurückstülpen können. Minimaler Verarbeitungsmangel beim Testobjekt: Der silberne Kunststoff-Zierring am rechten Objektiv löste sich am dritten Tag, ohne dass das Glas mechanisch beansprucht worden wäre. Ärgerlich, aber nichts, was einige Tropfen Sekundenkleber nicht richten könnten.
Der Einblick mit Brille wirft keine Probleme auf. Am rechten Okular befindet sich die übliche Dioptrien-Einstellung mit einer halben Umdrehung Einstellbereich. Leider hat sich Fuji hier die Skala zugunsten eines einfachen Pfeils mit Nullmarke gespart. In der Praxis ist das um so ärgerlicher, weil das Okular trotz schwergängiger Drehung dazu neigt, sich unbeabsichtigt von allein zu verstellen. Es hat vielleicht mit dem sehr haftfreudigen Gummimaterial der Augenmuscheln zu tun.
Bei korrekter Einstellung bildet der Einblick eine absolute Offenbarung ' jedenfalls im Vergleich mit vielen 'Tunnelröhren', die heute in allen Preislagen weit verbreitet sind. Volle 164 Meter Gesichtsfeld auf 1000 Metern oder 9,4 Winkelgrade verspricht der Aufdruck, und subjektiv wirkt das im Vergleich mit anderen Gläsern nicht übertrieben. Demgegenüber fällt die mit Faktor 5 deutlich unterdurchschnittliche Vergrößerung überhaupt nicht ins Gewicht. Jedenfalls nicht bei Entfernungen, wie sie im Veranstaltungsbereich zwischen Konzerthaus und Fußballstadion auftreten. Im Direktvergleich mit einem 8x-Glas macht sie sich bei der Betrachtung von Personen erst auf mehrere hundert Meter deutlich bemerkbar. Doch selbst beim Test auf 830 Metern konnte man die Person noch problemlos ausmachen ' das 8x-Referenzglas, ein Zeiss Conquest Compact 8x20 B T* zum empfohlenen Verkaufspreis von fast 400 Euro, löste lediglich ein paar mehr Details auf.
Bei dem Thema dürfen aber keineswegs die Vorteile der geringeren Vergrößerung unter den Tisch fallen. Hierzu ein klein wenig Mathematik: Teilt man den Durchmesser der Eintrittslinse durch Vergrößerung, ergibt sich der Durchmesser der Austrittspupille, also der kleinsten Öffnung im Inneren, durch die das Licht tritt. Man kann sie leicht erkennen, wenn man das Glas vor eine helle Fläche hält und aus etwa 30 Zentimetern hindurch schaut (nur bitte nie durch ein Fernglas in die Sonne gucken.)
Diese Austrittspupille fällt beim 5x21-Glas also 4,2 Millimeter groß aus. Klingt wenig, ist aber die gleiche Größenordnung wie bei den weit größeren 8x30- bis 10x42-Gläsern. Beim kompakten 8x20 sind es dagegen nur 2,5 Millimeter ' also nicht einmal 60 Prozent.
Das bedeutet zwei Dinge für die Praxis: Zum einen kommt schlicht mehr Licht durch. Man kann also mit dem 5x21 in der Dämmerung auf mittlere Distanzen noch etwas erkennen, wenn das 8x20 schon lange nur noch Finsternis hergibt.
Und zum zweiten fällt es deutlich leichter, die größere Öffnung des Eventum 5.21 auf die Pupille des eigenen Auges auszurichten. Das kostet selbst beim edlen und ergonomisch gut gemachten Zeiss 8x20 spürbar mehr Einsatz und Konzentration. Ein dicker Pluspunkt gerade in der Kompaktklasse, deren kleine und leichte Gläser sich ohnedies schwierig stabilisieren lassen. Die geringere Vergrößerung ist da übrigens doppelt hilfreich, denn jedes Wackeln wird immer 'mitvergrößert'. Gläser mit weniger Vergrößerung lassen sich daher immer leichter ruhig halten ' auch wenn man einmal außer Atem ist und der Puls nach oben geht.
Fazit: Eigentlich wäre das Eventum 5.21 verdammt nah dran am perfekten Kompaktglas. Der Schwerpunkt liegt sicherlich auf Veranstaltungen, doch dank der beschriebenen Vorzüge macht es auch beim Wandern und für allgemeine Beobachtungen keine schlechte Figur, auch wenn es mit der Vogelbeobachtung schnell überfordert ist. Das Kunststoffgehäuse mag nicht besonders solide wirken, doch zum erwähnten Preis ließe sich selbst der eine oder andere Totalschaden verschmerzen.
Eigentlich ' denn leider, leider scheint Fuji das Gerät aus dem Programm genommen zu haben. Daher auch der Abverkauf bei Nordfoto. Auf der Fuji Webseite taucht das Produkt schon nicht mehr auf. Anscheinend hat es das Marketing nicht geschafft, ausreichend viele Käufer für das Prinzip des 'weniger ist manchmal mehr' zu begeistern. Und so wird man bei einem etwaigen Verlust entweder den Gebrauchtmarkt nach dem seltenen Stück durchkämmen müssen ' oder aber darauf hoffen, dass einer der nachrückenden Anbieter aus China, irgendwann darauf verfällt, auch die kleine 5x-Nische zu besetzen.
Fuji hat das Eventum wahrscheinlich ohnedies bereits genau dort fertigen lassen.