Die erfolgreiche Geschäftsfrau Ellen macht ihrem Mann Hyper zum Geburtstag ein besonderes Geschenk: sie besucht mit ihm einen exclusiven Sex-Club. Dort lernen die beiden Irina kennen, eine junge Burlesque-Tänzerin, mit der sie auch die Nacht verbringen. Die drei verstehen sich so gut, dass sie sich wiedersehen wollen und dabei kommt auch Irinas Mann Oskar dazu, das Quartett ist komplett. Während Hyper und Irina den Partnertausch sofort genießen, dauert es bei Ellen und Oskar etwas länger, aber schließlich funkt es bei allen und sie verlieben sich ineinander. Nach einem gemeinsamen (extrem heißen!) Trip nach Barcelona, beschließen sie sogar, zusammen zu arbeiten und Ellen investiert eine große Summe in Irinas Tanzstudio. Aber dann, als alles perfekt ist, findet Ellen heraus, dass Hyper und Irina sie angelogen haben und sich schon viel länger kannten. Das Treffen in dem Swingerclub war also inszeniert. Ab diesem Moment wird aus der Liebesgeschichte ein Krimi, denn Irina hat noch viel mehr zu verbergen. Dann überschlägt sie alles, Irina wird angegriffen und schwer verlettzt, Hyper wird verhaftet und Ellen versucht, herauszufinden, ob alles, woran sie geglaubt hat, eine Lüge war.
Soweit zum Inhalt.
Ehrlich gesagt war ich sehr überrascht, als ich diesen neuen Roman von Sophie Andresky gelesen habe. Ich kenne alle anderen Bücher von ihr und war vor allem von "vögelfrei" begeistert. Was ich bisher von ihr gelesen habe, war immer sehr skuril und flapsig erzählt, oft sehr komisch und ging manchmal ins Surreale oder Comichafte. Diesmal ist es eine realistische, sehr gefühlvolle Geschichte, ein richtiger Liebesroman. Es ist ungalublich spannend zu lesen, wie sich die vier ganz unterschiedlichen Personen aneinander annähern. Ellen ist eine rationale Geschäftsfrau, die oft hinter dem Ego ihres Mannes zurückstecken musste. Ihr Mann Hyper ist Pyrotechnikkünstler, macht also Feuerwerk (wieso weiß Sophie Andresky eigentlich so viel über Pyrotechnik??) und hält sich für den Nabel der Welt. Irina ist eine kindliche, aber irgendwie undurchsichtige und gerissene Stripperin und Oskar ein ganz bodenständiger, scheinbar sehr sensibler Öko, der einen eigenen Hof hat. Obwohl ich das selbst noch nie erlebt habe, fand ich das nachvollziehbar, dass sich die beiden Paare verlieben, weil die anderen immer irgendetwas haben, dass der eigenen Beziehung gefehlt hat. Ich habe mich -wie Ellen- an der Stelle gefragt, ob sich die Zweierbeziehung als Modell nicht genrell überholt hat. Nach einer Weile kann man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, man will unbedingt wissen, wie es mit den vieren weitergeht und was wirklich hinter all dem steht. Wahrscheinlich, aber das ist Spekulation, hätte ich das Buch auch gut gefunden, wenn gar keine Sexszenen drin gewesen wären.
Aber es gibt Sexszenen und zwar jede Menge. Meine Güte, das hat die Autorin wirklich ausgekostet. Sie kombiniert die vier in allen erdenklichen Zusammenstellungen, bringt noch den einen oder anderen Fremden dazu und schafft es so immer und immer wieder im Bett zu landen. Meistens musste ich nach diesen Szenen erstmal ein Päuschen machen, denn die Sexszenen sind wirklich heiß (rotwerd). In Barcelona kommt es zum Gruppensex, wo alle beteiligt sind, das ist schon großes Kino. Allein die S/M-Szene hätte für mich nicht sein müssen, auf sowas steh ich nicht.
Bei allem Suspense und Dramatik: Lustig ist es zwischendurch schon auch. Im Haus von Ellen und Hyper wohnt ein Nachbar, der kräftig einen an der Klatsche hat und immer nackt im Hauflur herumsteht, aber auch der wird am Schluss verarztet. Und es gibt ein Kapitel auf einer Sexmesse (die "Venus" lässt grüßen), das ist sehr im Stil der alten Bücher.
Und ganz am Rande sei noch erwähnt, dass ich als Berliner mich sehr gefreut habe, dass das Buch in Berlin steht und ich viele Plätze und Orte wiedererkannt habe.
Um es also mal zu einem Abschluss zu bringen: Ich bin sehr sehr begeistert, es ist das geschlossenste Buch bisher, finde ich, keine Aneinanderreiung von erotischen Episoden mehr, sondern ganz klar ein romantischer Krimi mit jede Menge Sex. Sehr gelungen.