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5.0 von 5 Sternen
Chester sagt das WORT nicht, 25. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Fuck (Broschiert)
Das vor allem in Gangsterepen und Rapmusikbios überstrapazierte Four-Letter-Word soll - das behaupten Sprachwissenschaftler - über 70 Konnotationen aufweisen, die sich mitunter nur in Nuancen unterscheiden. Im Original heißt dieses Kaleidoskop der Erinnerung "You never liked me", aber auch der "deutsche" Titel, mag er für den einen oder anderen auch etwas abschreckend sein, lässt sich aus der Handlung ableiten. Der adoleszente Chester wird damit aufgezogen, dass er kein unflätiges Wort benutzt. Zwar wird er nicht zusammen geschlagen, aber die Drangsale geht zeitweise doch recht weit. Dabei ist der zeichnerisch begabte Chester kein Nerd, sondern eben nur ein ruhiger, unsicherer Schlacks, dem die Mädchen zugetan sind, aber dieses Terrain ist für ihn mit lauter Stolperfallen ausgestattet. Er kann sich gegenüber der großbusigen Sky zu einem "Ich liebe Dich" durchringen, aber seine Hemmungen, sich mit ihr zu verabreden, sind übermächtig. Seine Mutter hat erhebliche Probleme mit dem Alterungsprozess und sagt lustige Dinge wie: "Die Leute erwarten, dass die weiblichen Brüste einen gewissen Umfang haben, und meine entsprechen dem nicht. Sie sind zu klein. Deshalb trage ich einen gepolsterten Büstenhalter." Das wird während einer Autofahrt vorgetragen, als würde ein großes Familiengeheimnis gelüftet werden. Strange!
Seien Sie unbesorgt. Es erwarten Sie keine infantilen Jugendstreiche, kein Petting auf dem Autorücksitz, keine ausgelassene Party (Chester würde da auch gar nicht hingehen), keine schmutzigen Heftchen, sondern Verstecken im Kornfeld, warmes Brot essen, sein Selbstportrait als Skelett, immer wieder Angst vor Mädchen (und ihre Nähe suchen), ohne genau zu wissen, was das auslösen kann, wie es danach weiter geht. Also nichts, was wir nicht kennen würden. Dass die Erzählung funktioniert, obwohl diese biographische Arbeit im Grunde nur aus Schlaglichtern besteht, liegt am durchgehaltenen Thema: Chester ist sich seiner selbst nicht sicher und zu vorsichtig, um wirklich etwas Schönes erleben zu können, lieber bleibt er auf einem reduzierten Aktivitätsniveau. Aber wir spüren auch: Bald wird er soweit sein. Er wird eine Freundin finden (sie wird Sook-Yin heißen), aber das geschieht außerhalb dieser wunderbaren Graphic Novel. Die Panels hängen manchmal lose im Raum, sind Erinnerungsfenster, und wäre das ein Film, gäbe es viele Weißblenden. Ob auch die anderen Publikationen aus der Feder Browns Gewicht haben, kann ich zumindest for "Louis Riel" beantworten: Nein, obwohl die Ambition um einiges höher gewesen sein muss. Aber Riel bleibt nur eine leblose Figur auf Papier. Bleibt noch zu sagen: Lieber Chester als Jeffrey Brown, der wohl bis zum Sanktnimmerleinstag seine gescheiterten Beziehungen krakelig durchhecheln wird.
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