Als vor 28 Jahren die 17jährige Tochter der angesehenen Lockyer-Fox Familie im südenglischen Shenstead schwanger wird, gibt es für die Familie nur einen Ausweg: Das Kind wird zur Adoption freigegeben und die Sache unter den Tisch gekehrt. Jetzt ist ein Anwalt im Namen des alten Colonel Lockyer-Fox unterwegs, um das damals ungewollte Kind aufzuspüren. Doch Nancy Smith, die "verlorene" Enkeltochter, ist gar nicht an ihrer leiblichen Familie interessiert und unbeeindruckt vom wohlklingenden Familiennamen. Erst als sie einen Brief von ihrem Großvater bekommt, in dem er kryptische Andeutungen über den Rest der Familie macht, ist ihre Neugier geweckt. Sie beschließt, dem Familiensitz einen Überraschungsbesuch abzustatten, nicht ahnend, dass sie damit zur Bedrohung für die Pläne eines Emporkömmlings und Ränkeschmiedes wird.
Die Geschichte von Nancy und ihrem leiblichen Großvater ist nur eine von vielen in "Fuchsjagd". Außerdem gibt es zum Beispiel noch die Geschichte von Wolfie, einem kleinen Jungen, dessen gewalttätiger Vater mit ihm im Wohnwagen durch Südengland zieht und die Geschichte zweier Ehepaare in der Midlifecrisis, die im dörflichen Shenstead versuchen, die Leere in ihrem Leben und ihren Beziehungen auf höchst fragwürdige Weise zu füllen.
"Fuchsjagd" ist nicht so schockierend wie "Schlangenlinien" und nicht so fesselnd wie "Der Nachbar". Die ersten 100 Seiten des Buches sind zwar interessant, wirken aber irgendwie unzusammenhängend, da alle Personen zuerst in ihrer aktuellen Umgebung vorgestellt werden. Mit fortschreitender Seitenzahl wird dann klar, worauf das ganze hinausläuft, die verschiedenen Erzählstränge laufen zusammen und das Buch gewinnt an Spannung bis man es gegen Ende gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Einige der Entwicklungen konnte man vorausahnen, bei anderen wiederum lässt man sich gerne in die Irre führen, um am Ende festzustellen, dass doch alles ganz anders war und auch gar nicht anders sein konnte.
Bis auf das eher mittelmäßige "Wellenbrecher" und die enttäuschende Novelle "In Flammen", war ich von allen Büchern von Minette Walters bisher begeistert. "Fuchsjagd" ist vielleicht nicht ihr bestes, das ist meiner Meinung nach immer noch "Schlangenlinien", den anderen Büchern aber steht es in nichts nach.