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Fast so etwas wie ein Jubiläumsroman ist es: Minette Walters zehnter Roman. Diese Frau, ausgezeichnet mit vielen internationalen Preisen, verblüfft immer wieder: Ihre Erzählweise ist so ruhig, stetig, gleichmäßig, überhaupt nicht nervös oder springend. Aber das alles nur an der Oberfläche: Im Inneren, zwischen den Zeilen, hinter jedem Wort, da brodelt, lauert und gärt es. Walters Stil entspricht dabei ganz der anfänglichen Handlung: Zaghaft, manchmal nur in Nebensätzen oder im letzten Absatz eines Kapitels offenbart sich, was hinter einer angeblich heilen Welt irgendwo draußen auf dem Land im englischen Dorset vor sich geht.
Schon in vorangegangenen Romanen hat Minette Walters ihr Talent bewiesen, nicht nur eine auffällig flotte Hand für den einen oder anderen Mord zu haben, meisterhaft bettet sie ihre Handlung ins soziale Milieu ein. Details und Hintergründe des Lebensumfeldes ihrer Akteure sind ihr genauso ein Anliegen wie der ausgeklügelte Mordfall.
Da treffen Tierschützer auf passionierte Jagdfreunde, Reiche auf Sozialhilfeempfänger, Landbesetzer auf Widerständler und immer ist es dieselbe Frage: "... seit wann ist Macht auch im Recht?". So wird der Titel des Buches zum Teekesselchen, Fuchsjagd, doppeldeutig, und mit wahrer Fabulierfreude bewegt sich Minette Walters zwischen den Ebenen. Eine erstklassige Geschichte mit 32 Kapiteln, die über 480 Seiten die Zeit vergessen lassen. --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Die Geschichte von Nancy und ihrem leiblichen Großvater ist nur eine von vielen in "Fuchsjagd". Außerdem gibt es zum Beispiel noch die Geschichte von Wolfie, einem kleinen Jungen, dessen gewalttätiger Vater mit ihm im Wohnwagen durch Südengland zieht und die Geschichte zweier Ehepaare in der Midlifecrisis, die im dörflichen Shenstead versuchen, die Leere in ihrem Leben und ihren Beziehungen auf höchst fragwürdige Weise zu füllen.
"Fuchsjagd" ist nicht so schockierend wie "Schlangenlinien" und nicht so fesselnd wie "Der Nachbar". Die ersten 100 Seiten des Buches sind zwar interessant, wirken aber irgendwie unzusammenhängend, da alle Personen zuerst in ihrer aktuellen Umgebung vorgestellt werden. Mit fortschreitender Seitenzahl wird dann klar, worauf das ganze hinausläuft, die verschiedenen Erzählstränge laufen zusammen und das Buch gewinnt an Spannung bis man es gegen Ende gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Einige der Entwicklungen konnte man vorausahnen, bei anderen wiederum lässt man sich gerne in die Irre führen, um am Ende festzustellen, dass doch alles ganz anders war und auch gar nicht anders sein konnte.
Bis auf das eher mittelmäßige "Wellenbrecher" und die enttäuschende Novelle "In Flammen", war ich von allen Büchern von Minette Walters bisher begeistert. "Fuchsjagd" ist vielleicht nicht ihr bestes, das ist meiner Meinung nach immer noch "Schlangenlinien", den anderen Büchern aber steht es in nichts nach.
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