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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Haupt des Jägers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Fuchs war damals schon der Jäger (Broschiert)
Adina ist Lehrerin an einer Schule im Rumänien zur Zeit der Ceaucescu-Diktatur. Als sie ihren Schülern bei Erntehilfsarbeiten empfiehlt, so viele Tomaten wie möglich selbst zu verzehren, gerät sie in den Fokus der Sicherheitspolizei. Und das Fuchsfell in ihrer Wohnung verliert Glied um Glied...Der Stil dieses Werkes ist sehr ungewöhnlich. Jedes der kurzen Kapitel steht für sich selbst da wie ein expressionistisches Gemälde. Dadurch ist der Sinn nicht immer leicht zugänglich, aber gleichzeitig macht dieser ungewöhnliche Stil auch ein Stück weit den Reiz an diesem Buch aus. Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil Herta Müller als frischgebackene Nobelpreisträgerin bald unserer Uni liest. Das Buch ist nicht nur wegen Stil und Geschichte sehr fesselnd, sondern auch wegen des sehr lebendigen Bildes des Ceaucescu-Regimes, über das man im Westen nicht unbedingt besonders informiert ist. Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, dass dann aber seine fesselnde Wirkung entfaltet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
WORUM GEHT ES?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Fuchs war damals schon der Jäger (Broschiert)
Es sind die letzten Monate der Ceaucescu Diktatur. Verschiedene Personen geraten ins Visier der Securitate: Clara, die mit einem Agenten ein Verhältnis eingeht, der Arzt Paul, der als Musiker und Liedertexter vorsichtig rebelliert, die Lehrerin Adina, die in der Schule Kritik äußert, Ilije, ihr Freund, der bei den Soldaten ist und nur den Wunsch hat, aus diesem Land herauszukommen. Adina ist die Hauptperson des Buches. Sie wird auf subtile Art terrorisiert: Einem Fuchsfell, das sich in ihrer Wohnung befindet, werden nach und nach die Beine und der Kopf abgetrennt. Der Geheimdienst macht ihr deutlich, dass er jederzeit in ihr Privatleben eindringen kann.WER IST DIE AUTORIN? Das weiß momentan jeder: Nobelpreisträgerin! Herta Müller ist Rumäniendeutsche. Dieses Buch, in dem große Teile in einer Fabrik spielen, verarbeitet auch eigene Erfahrungen: Denn die Autorin hat als Übersetzerin in einer Fabrik gearbeitet, bis sie die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst verweigerte und ihre Stelle verlor. In all ihren Büchern geht es um das Thema des Lebens unter der Diktatur. WIE IST ES GEMACHT? 280 Seiten, nicht allzu eng gesetzt - da soll man sich nicht täuschen lassen: Für diesen Text braucht man Zeit. Es ist beinahe wie Lyrik zu lesen. Denn diese Sprache ist sehr genau und erlaubt es nicht, darüber hinwegzulesen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor eine so beklemmend präzise Bechreibung des Lebens in der Unterdrückung gelesen zu haben. Bestimmte Leitmotive (Tod, Eingeschlossensein, Mangel, Kontrolle) tauchen vom ersten Satz an immer wieder in sehr treffenden und zugleich überraschenden Bildern auf. Unter Mangel an materiellen Dingen aber auch an Emotion leiden alle, nur die Geheimdienstler kann man sofort erkennen - sie haben Goldzähne und können Kaffee, Nylonstrümpfe, Fleisch verschenken und sich so die Liebe kaufen. Zugleich gibt es sarkastisch komische Stellen, z.B. wenn ein Schulaufsatz über den Einsatz bei der Tomatenernte mit den Zwischenrufen der Mitschüler aber auch der Realität konfrontiert wird (S. 82 der Aufsatz, S. 64 wie es wirklich ist). Dieses Buch sollte man all denjenigen schenken, die davon faseln, dass in der DDR doch nicht alles so schlecht gewesen sei! DER ERSTE SATZ: Die Ameise trägt eine tote Fliege. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
nicht leicht aber lesenswert,
Rezension bezieht sich auf: Der Fuchs war damals schon der Jäger (Broschiert)
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich neugierig war auf die Arbeit einer Nobelpreisträgerin und mir - unabhängig der vielen Lobeshymnen in der Presse - selbst ein Bild machen wollte. Der Klappentext las sich gut, also hab ich das Buch mitgenommen. Im ersten Anlauf hab ich nur ein paar Zeilen geschafft und erstmal ein anderes Buch vorgezogen. Da das Buch nicht ungelesen im Schrank einstauben sollte, hab ich es dann noch einmal versucht. Es liest sich nicht leicht, am Anfang war es eher ein Kampf - um Sätze, Seiten, Bilder und die Geschichte dahinter. Obwohl das Buch nicht dick ist, habe ich recht lange dafür gebraucht. Man muss wirklich jedes Wort lesen, kann nicht einfach ein paar Zeilen überfliegen, denn das würde sich ein paar Seiten später rächen. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, bis zuletzt, baut in meinen Augen aber eine fast greifbare Intensität auf. Die Handlungen verdichten sich in Laufe des Buches zunehmend. Etwa nach der Hälfte des Buches war ich gefesselt (und an den Schreibstil gewöhnt;-)). Das Buch hatte Fahrt aufgenommen, die Handlungen und Dialoge wurden intensiver, Bedrohung und Angst wurden immer greifbarer, allgegenwärtig. Die Autorin zeichnet gerade aufgrund bzw. durch ihren ungewöhnlichen Sprachstil intensive, beklemmende Bilder. Man kann die Tristess des Alltages der Personen spüren. Obwohl ich am Anfang geneigt war, das Buch als Fehlkauf zur Seite zu legen, bin ich im Nachhinein froh, dass ich es gelesen habe. Klar, das ist keine leichte Kost und ich würde es auch nicht uneingeschränkt jedem empfehlen. Ich fand es jedoch ausgesprochen lesenswert.
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