Es sind die letzten Monate der Ceaucescu Diktatur. Verschiedene Personen geraten ins Visier der Securitate: Clara, die mit einem Agenten ein Verhältnis eingeht, der Arzt Paul, der als Musiker und Liedertexter vorsichtig rebelliert, die Lehrerin Adina, die in der Schule Kritik äußert, Ilije, ihr Freund, der bei den Soldaten ist und nur den Wunsch hat, aus diesem Land herauszukommen. Adina ist die Hauptperson des Buches. Sie wird auf subtile Art terrorisiert: Einem Fuchsfell, das sich in ihrer Wohnung befindet, werden nach und nach die Beine und der Kopf abgetrennt. Der Geheimdienst macht ihr deutlich, dass er jederzeit in ihr Privatleben eindringen kann.
WER IST DIE AUTORIN?
Das weiß momentan jeder: Nobelpreisträgerin! Herta Müller ist Rumäniendeutsche. Dieses Buch, in dem große Teile in einer Fabrik spielen, verarbeitet auch eigene Erfahrungen: Denn die Autorin hat als Übersetzerin in einer Fabrik gearbeitet, bis sie die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst verweigerte und ihre Stelle verlor. In all ihren Büchern geht es um das Thema des Lebens unter der Diktatur.
WIE IST ES GEMACHT?
280 Seiten, nicht allzu eng gesetzt - da soll man sich nicht täuschen lassen: Für diesen Text braucht man Zeit. Es ist beinahe wie Lyrik zu lesen. Denn diese Sprache ist sehr genau und erlaubt es nicht, darüber hinwegzulesen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor eine so beklemmend präzise Bechreibung des Lebens in der Unterdrückung gelesen zu haben. Bestimmte Leitmotive (Tod, Eingeschlossensein, Mangel, Kontrolle) tauchen vom ersten Satz an immer wieder in sehr treffenden und zugleich überraschenden Bildern auf. Unter Mangel an materiellen Dingen aber auch an Emotion leiden alle, nur die Geheimdienstler kann man sofort erkennen - sie haben Goldzähne und können Kaffee, Nylonstrümpfe, Fleisch verschenken und sich so die Liebe kaufen. Zugleich gibt es sarkastisch komische Stellen, z.B. wenn ein Schulaufsatz über den Einsatz bei der Tomatenernte mit den Zwischenrufen der Mitschüler aber auch der Realität konfrontiert wird (S. 82 der Aufsatz, S. 64 wie es wirklich ist). Dieses Buch sollte man all denjenigen schenken, die davon faseln, dass in der DDR doch nicht alles so schlecht gewesen sei!
DER ERSTE SATZ:
Die Ameise trägt eine tote Fliege.