Faszinierend, wie eine derart einfache Sprache Bilder und Emotionen im Leser zu erwecken versteht. Gudmundsson entführt einen in die kühlen Landschaften Islands und setzt einen mitten hinein in seine Familie, über deren Leben er hier berichtet. In seiner Melancholie ist dieses Buch genau richtig für kalte Winterabende, neben sich eine heiße Tasse Tee und in Worten schwelgend. Selten hat mich die Schönheit der Sprache, ihre Bildhaftigkeit derart begeistert. Poetisch und bittersüß erinnert das Buch bei der Wahl des Themas (Familiengeschichte, die Armut) irgendwie an "Angela's Ashes", doch ist es weit schöner geschrieben und kein Stück langweilig, die Worte graben sich geradezu in einen hinein. Negativ anzumerken ist nur der etwas episodenartige Aufbau, der den Roman in kleine Kapitel auseinanderfallen läßt. Vielleicht nicht verwunderlich, da es sich hier um bruchstückhafte Erinnerungen handelt, die hier zusammengetragen wurden. Ein paar besonders schöne Sätze habe ich mir sogar rausgeschrieben. Also: Innehalten und genießen!