Gerd Dembowski hat Country und Antifolk verstanden. Und nicht nur dass: sein Buch ist sowas wie geschriebener Antifolk - if that makes sense. Es bleibt zu hoffen, dass irgendjemand das hier als Hörbuch rausbringt, damit an die eingeschleusten Songzitate auch gesungen hören kann (wie bei seinen grandiosen Lesungen).
Dembowski zeigt, das Countrymusik zwar nix mit Fußball, beides aber viel mit ihm zu tun hat. Deshalb sind es sehr persönliche Geschichten, in denen er aber immer zum Politischen kommt. Das schafft er kurzweilig und humorvoll, aber dennoch gehaltvoll. Hört er Johnny Cash, geht es für ihn um Fahrten zum FC St. Pauli, hört er Nordkorea, dann denkt er an die WM 1966. Fakten von (Alternative) Country bissig garniert. Dembowski beschreibt den Aufstieg und Fall seines ehem. Vorbilds Maradona und begeht symbolischen Ersatz-Vatermord am grauseligen Gunter Gabriel. Und nirgendwo anders habe ich eine so akribische Aufarbeitung zu Nationalismus und WM 2006 gelesen. Aber wer ihn nur vom Fußball und Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) her kennt, wird sich wundern. Ein leider viel zu kurzes Buch...