Die gute alte Zeit des Fernsehens, die "Flimmerkiste in den sechziger Jahren", mal kritisch, mal belustigend betrachtet: Das Buch "Am Fuß der blauen Berge" ist eine gelungene Mischung aus kulturellem Rückblick, anekdotenreichem Amüsement und sentimentalen Gefühlen - und das wahrlich nicht nur für Fernsehfans oder jene Menschen, die sich gern an Vergangenes erinnern möchten. Abwechselnd schildern Fernsehmacher und Autoren ihre Eindrücke, geben Einblicke preis, beschreiben Geschehenes, Vergangenheiten oder erläutern Hintergründe, die auch für die weitere Entwicklung unseres Fernsehens durchaus aufschlussreich ist.
Portraits und Interviews lassen tiefer blicken und führen vor Augen, dass das Fernsehen eben doch mehr ist, als die "heile Welt" in unserem Wohnzimmer - auch, wenn sie in den 60ern gewiss noch heiler war. Dabei kommt kein Bereich zu kurz: Ob Bilder unserer Kindheit, Erinnerungen an erste Fernsehabende mit "Kuli", Nachmittage mit Flipper und Lassie am Nierentischchen, Spielfilme, der abendliche Sandmann oder der Vergleich des "heute-noch-Boulevardblatt-füllenden" ergrauten Fritz Weppers mit Horst Tapperts "Hol-den-Wagen-Untertanen" von einst - an alles ist gedacht worden.
Wie die Bilder noch besser laufen lernten, der Anfang der Mainzelmännchen, Peter Frankenfeld, Luis Trenker, Rudi Carrell, Inge Meysel und nicht zuletzt Fury und das Raumschiff Orion - die ganze Ikonenreiche Riege des Fernsehens jener Zeit, als Deutschland noch Stars hatte und TV noch etwas anderes als Quotenmache war, marschiert "Am Fuße der blauen Berge" auf und lässt schon eine wehmütige Stimmung aufkommen, wenn man den heutigen Bildschirm vergleichsweise betrachtet. Trost gibt dabei die Art und Weise, wie die Lektüre verfasst worden ist: Spritzig, witzig, wohlformuliert - und keineswegs einseitig betrachtet.
"Am Fuß der blauen Berge" ist eine echte Alternative zum Fernsehprogramm des neuen Jahrtausends!