Insgesamt muss man sagen, dass Sigi Nesterenko mit "Fructoseintoleranz - krank durch Obst, Gemüse und Süßigkeiten" einen hilfreichen Ratgeber für Menschen, die an Fructoseintoleranz (im folgenden als "FM" für Fructosemalabsorption abgekürzt) leiden, verfasst hat. Vor allem, da es kaum Literatur zu dieser Erkrankung gibt.
Gut verständlich wird auf viele wichtige Aspekte eingegangen, wie etwa Diagnosemöglichkeiten, mögliche Entstehungsfaktoren der FM, physiologische Grundlage der FM, "erlaubte" und "verbotene" Lebensmittel bei FM, häufige Neben- und Folgererkrankungen etc. . Sehr interessant ist auch das Kapitel über unterschiedliche Zuckerarten und Zuckeraustauschstoffe, in dem erklärt wird, welche Süßungsmittel ein Fructoseintoleranter bedenkenlos zu sich nehmen kann und welche zu meiden sind. Darüber hinaus werden auch Tipps zum Aufbau einer gesunden Darmflora und viele weitere allgemeine Gesundheitstipps gegeben.
Im Kapitel "Zucker und Zuckeraustauschstoffe - ungesund auch für Gesunde" lehnt sich Nesterenko allerdings weit aus dem Fenster: Dass Zucker in Massen ungesund ist, dürfte eigentlich jedem klar sein, Sigi Nesterenko geht allerdings über Gebühr hart mit dem Zucker ins Gericht, sodass man nach Lektüre dieses Kapitels den Eindruck hatte, dass Zucker generell in jeder Konzentration für alle Menschen schädlich ist. Ein etwas differenzierterer Blickwinkel wäre hier wünschenswert. Unter anderem wird hier auch die Behauptung aufgestellt "Zucker macht aggressiv". Nesterenko gibt hier eine (!) Studie aus den 1970er Jahren als Beleg für diese Behauptung an, die den Befund erbrachte, dass Menschen, die in ihrer Kindheit viel Zucker konsumierten, im Erwachsenenalter aggressiver waren. Kritischen Betrachtern mag hier auch der Gedanke kommen, dass der behauptete Kausalzusammenhang zwischen Zucker und Aggression möglicherweise nur ein Scheinzusammenhang ist. Es wäre aus meiner Sicht plausibler anzunehmen, dass Kinder von Eltern mit vernachlässigendem Erziehungsstil nicht auf die Ernährung ihrer Kinder achten, und diese daher mehr Süßigkeiten konsumieren. Häufig sind Kinder solcher Eltern natürlich auch im Erwachsenenalter aggressiver - allerdings wohl eher durch Erziehungsdefizite als durch Zucker.
Ob die Autoren der Studie diesen alternativen Zusammenhang kontrolliert haben, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen, denn Nesterenko gibt beinahe gar keine Quellen an. Mich als wissenschaftlich denkenden Menschen wurmt das ziemlich, denn man hat keine Möglichkeit herauszufinden wie fundiert die gegebenen Informationen sind.
Was mich darüber hinaus an dem Buch gestört hat, ist der hohe Preis. Beinahe 20 ¤ sind für diese Büchlein reichlich viel, bedenkt man, dass Schrift und Zeilenabstände sehr groß, der Inhalt also nicht wahnsinnig umfangreich ist. Außerdem kann man für diesen Preis wohl ein etwas weniger dilletantisches Layout erwarten: Die Titelseite wirkt bei genauerer Betrachtung reichlich pixelig, im Buch sind ausschließlich Bilder verwendet, die keinem erkennbaren Zweck dienen, außer vielleicht ein bisschen Farbe auf die Seiten zu bringen.
Da es allerdings - wie eingangs erwähnt - kaum andere Bücher zum Thema Fructoseunverträglichkeit gibt, kann ich diesen Ratgeber dennoch allen Betroffenen empfehlen um einen guten Überblick über die Erkrankung zu erhalten. Dennoch sollte natürlich - und das erwähnt auch Nesterenko ausdrücklich - jeder Betroffene eine ärztliche Beratung und/oder Ernährungsberatung in Anspruch nehmen und dieses Buch nur als ergänzende hilfreiche Informationsquelle betrachten.