"Die Debatten kochen hoch, moralische Argumente werden aufgewärmt, die Diskussionen sind hitzig, die Argumente aber oft moralin-versalzen." Weil das so ist, möchte "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung" der "Suppe" der öffentlichen Diskussion "satirische Würze" beigeben.
Und das gelingt vorzüglich: Wiglaf Droste deckt den Zusammenhang zwischen Massentierhaltung und "Massenmenschhaltung" auf; Leo Fischer skizziert einen Horrorroman, bei dem das Grauen zwischen Pflanzensekret und Tiergedärm alterniert; Nils Heinrich kennt die Grenzen der Sinnesfreuden beim Grillen; Volker Surmann die liebenswerten Abgründe eines Biohofes, Oliver Nagel die des Vegetariertums, und Stefan Gärtner weiß schlussendlich, warum eine überkochende Debatte immer noch eine überkochende Debatte ist, auch wenn sie ein hehres Ziel verfolgt. Dabei ist nicht alles satirisch, wenn z.B. Kathrin Hartmann beschreibt, wie das barbarische Treiben in Tierfabriken zur Familienunterhaltung taugt.
Die Herausgeber Heiko Werning und Volker Surmann haben 35 Autoren versammelt, die den Wurstfinger in die Pflanzenwunde legen, in Prosa und Reim äußerst abwechslungsreiche, gehaltvolle, lustige Kreationen zum Thema servieren und die Grenzen des guten wie schlechten Geschmacks auskosten. Dabei werden einige Pointen dadurch erkauft, dass sie der Tierindustrie in die Fleischtöpfe spielen. Aber das ist der Preis dafür, wenn auch die Dummen unter den Vegetarieren ihr Fett abkriegen sollen. Sonst gäbe es ja nur Eintopf.