Das Jahr 2005 war im Black Metal-Genre nicht gerade das beste, da die Highlights doch recht dünn gesäht waren. Okay, einige klasse Alben gab es natürlich. Und Bands wie NAGLFAR, ENDSTILLE und die zweifelsohne großartigen THE SHINING haben auch in diesem Jahr die beinharten Schwarz-Metal-Fans ruhiggestellt. Ansonsten gab es da eher wenig erwähnenswertes...
Wie gut, dass es dann aber ab und zu noch hoffnungsvolle Newcomer gibt, die gleich schon mit ihrem Debut-Album für Furore sorgen können. So wie die deutschen Black Metaller von HELRUNAR, deren erste Scheibe „Frostnacht“ schon seit einigen Wochen in meinem CD-Player rotiert, und mir seitdem auch schon zahlreiche „frostige Nächte“ beschert hat. Das musikalische Rezept der 10 Songs ist dabei ein ganz einfaches: Man orientiert sich größtenteils an den wohl einflussreichsten Black Metal-Acts der 90er Jahre. Soll heißen, an allen Ecken und Enden sind klare Parallelen zu Bands wie IMMORTAL („Pure holocaust“) , DARK THRONE („Under a funeral moon“), SATYRICON („Dark medieval times“) oder auch OPETH („Morningrise“) rauszuhören. Wobei HELRUNAR alles andere als ein bloßes Plagiat sind, was man schon anhand der großartigen, herrlich düsteren Texten sehen kann, die komplett in deutscher Sprache gesungen (bzw. gekrächzt) werden. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass allein schon das Lesen der Lyrics den Kaufpreis von „Frostnacht“ rechtfertigt, denn so tiefgehend finstere und metaphorische Gedichte bekommt man nicht alle Tage zu lesen. Zumal man von der Aufmachung der CD glatt denken könnte (u.a. Booklet, Covergestaltung,...) man hätte einen Gedichtband in den Händen. Aber nun weiter zur Musik...
Die Produktion dieses Albums ist natürlich urtypisch „nordisch“ ausgefallen, so wie es sich für überdurchschnittliche Schwarz-Metal-Bands gehört. HELRUNAR legen aber wenig Wert auf „stumpfes Gebolze“ und das Aufstellen neuer Temporekorde, sondern schalten desöfteren einen Gang zurück, um im gepflegten Mid-Tempo zu bolzen. Hier und da schimmern dann immer wieder dezente Viking/Pagan-Einflüsse von den Urvätern BATHORY durch. Und selbst in melodiösen Gewässern, die ansonsten eher von UN-ANIMATED oder (den leider verblichenen) MEPHISTOPHELES befahren werden, fühlt man sich bestens aufgehoben. Klasse !
Und überhaupt, mitreißende Black-Hymnen wie „...bis die Seele gefriert“ , „Der Trank der Gehängten“ , „Frostnacht“ oder dem überragenden „Älter als das Kreuz“ dürfen in keiner gut sortierten Sammlung fehlen. Sollte man haben !!!