Als Richard Nixon(Frank Langella) 1977 diese Worte zum Fernsehmoderator David Frost(Michael Sheen) sagt, ist er sich sicher, dass er der Gewinner des spektakulären Fernsehduells sein wird. Aber, wie uns die Geschichte zeigt, auch Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika können sich irren.
Nach dem Watergate Skandal 1972 muss Richard Nixon abtreten. Er tut das, ohne sich jemals für sein Verhalten zu entschuldigen, oder ein Geständnis abzulegen. Gerald Ford, sein Nachfolger, setzt mit der kompletten Begnadigung Nixons, de facto einer Absolution für seinen Vorgänger, dem Ganzen noch die Krone auf. Danach wird Nixon immer wieder gefragt, attackiert, gehört, aber nie räumt er seine Fehler ein. Der britische Talkshowmoderator David Frost, der Talkshows in England und Australien moderiert, will ein Interview mit Nixon. Der willigt, nach Zusage eines horrenden Honorars, ein. Wie sollte ein unpolitischer Talkmaster am Image des Expräsidenten kratzen können? Das sieht nicht nur Nixon so. Frost findet keine Geldgeber und muss das finanzielle Risiko fast allein tragen. In vier Talkrunden soll er Nixon ausfragen. Die ersten drei davon verlaufen desaströs für Frost. Er ist zu weich, lässt sich einwickeln, wirkt laienhaft. Aber als er selbst am Rand des Ruins steht, besinnt er sich. Als sich das Blatt wendet, horcht die Welt auf und wird Zeuge eines Vorfalls, der noch heute die politischen Journale füllt.
Ron Howard ist zweifelsohne ein Risiko eingegangen. Sein -Frost/Nixon- ist ein hervorragender Film. Allerdings muss man sich für das Thema interessieren. So ist auch meine Bewertung zu verstehen. Wer leichte Unterhaltung oder kurzweiligen Zeitvertreib sucht, der wird sie in diesem Film nicht unbedingt finden. Wer allerdings beim Zuschauen lernen will, wer erkennen möchte, wie dieser gigantische Apparat Politik funktioniert, wer spannend und atemlos verfolgen will, wie diese Geschichte damlas ablief, der ist hier genau richtig. Howard hat dem politischen Kalkül am Beispiel Nixons die Maske vom Gesicht gerissen. Und das alles, ohne polemisch, plakativ oder oberflächlich zu sein.
Die Charaktere des Films sind wundervoll besetzt. Sheen gibt den geckenhaften Frost einzigartig. Seine Berater Bob(Oliver Platt) und Jim(Sam Rockwell) brillieren in ihren Rollen genau so, wie Kevin Bacon als Präsidentberater Brennan. Ihm nimmt man fast jede Rolle ungefragt ab.
Ein Sonderlob geht an Frank Langella. Wie er die Facetten Nixons, vom arroganten, selbstgefälligen, macht- und geldsüchtigen Polit-Dinosaurier, bis hin zum verzweifelten, bemitleidenswürdigen alten Mann spielt, das verdient allergrößten Respekt.
Als der Satz: "Ich habe das amerikanische Volk verraten" Nixons Lippen verlässt, hält die Welt den Atem an. Aber bis zu diesem Moment stehen David Frost unzählige Hürden im Weg. Nach dem Buch von Peter Morgan hat Ron Howard Frosts Weg nachgezeichnet und lässt uns daran teilhaben. Noch heute gelten die gleichen Regel im Spiel um Macht und Regierung. Wer der Meinung ist, das man aus Geschichte nicht lernen kann, der darf sich bei -Frost/Nixon- gern eines besseren belehren lassen. Ich bin sogar der Meinung, dass Geschichte genau darin ihre Berechtigung hat: Zu lernen und zu verstehen. In diesem Sinne lege ich ihnen -Frost/Nixon- ans Herz. Der Film ist absolut empfehlenswert. Sollten sie sich allerdings ganz und gar nicht für Politik und deren Umfeld interessieren, ist der Platz in ihrem DVD Player mit einem anderen Film vielleicht besser ausgefüllt.